Full text : Fortschritt und Armut

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Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

Buch  X.

geringer  ist,  je  nachdem  das  Moralgesetz,  das  jedem  gleiche  Rechte  zubilligt, ­
  ignoriert  oder  anerkannt  wird,  so  ist  die  Gleichheit  (oder  Gerechtigkeit) ­
  das  zweite  Erfordernis  des  Fortschrittes.
Somit  ist  die  Vereinigung  in  der  Gleichheit  das  Gesetz  des  Fortschrittes. ­
  Die  Vereinigung  macht  geistige  Kraft  zur  Verwendung  für
die  Vervollkommnung  frei,  und  die  Gleichheit  (oder  Gerechtigkeit,  oder
Freiheit,  denn  diese  Ausdrücke  bedeuten  hier  dasselbe,  nämlich  die  Anerkennung ­
  des  Moralgesetzes)  verhindert  die  Vergeudung  dieser  Kraft
in  fruchtlosen  Kämpfen.
Hier  ist  das  Gesetz  des  Fortschrittes,  welches  alle  Verschiedenheiten, ­
  alle  Vorwärtsbewegungen,  alle  Stillstände  und  Rückwärtsbewegungen ­
  erklärt.  Die  Menschen  schreiten  vor,  je  enger  sie  sich  verbinden, ­
  und  vermehren  durch  Zusammenwirken  die  geistige  Kraft,
welche  der  Vervollkommnung  gewidmet  werden  kann;  aber  sobald
Mampf  hervorgerufen  wird  oder  die  Vereinigung  Ungleichheit  der  Lage
und  Rechte  entwickelt,  wird  diese  Tendenz  zum  Fortschritt  vermindert,
gehemmt  und  schließlich  in  ihr  Gegenteil  verwandelt.
Die  gleiche  angeborene  Fähigkeit  vorausgesetzt,  so  ist  es  klar,  daß
die  soziale  Entwicklung  schneller  oder  langsamer  vor  sich  gehen,  aufgehalten ­
  werden  oder  rückwärts  schreiten  wird  je  nach  dem  Widerstande, ­
  auf  welchen  sie  stößt.  Im  allgemeinen  können  diese  Hindernisse
des  Fortschrittes,  in  bezug  auf  die  Gesellschaft  selbst,  in  äußere  und
innere  eingeteilt  werden,  von  denen  die  ersteren  während  der  früheren
Stadien  der  Zivilisation  mit  größerer  Kraft  wirken,  die  letzteren  dagegen ­
  während  der  späteren  Stadien  bedeutender  werden.
Der  Mensch  ist  feiner  Natur  nach  gesellig.  Er  braucht  nicht  eingefangen ­
  und  gezähmt  zu  werden,  um  mit  seinen  Mitmenschen  leben
zu  mögen.  Die  vollständige  Hilflosigkeit,  mit  der  er  auf  die  Welt  kommt,
und  die  für  die  Reifung  seiner  Eigenschaften  erforderliche  lange  Zeit
machen  das  Familienband  nötig,  welches,  wie  wir  leicht  beobachten
können,  bei  den  ursprünglicheren  Völkern  weiter  und  in  seinen  Ausdehnungen ­
  stärker  ist,  als  unter  den  zivilisierten  Völkern.  Die  ersten
Gesellschaften  sind  Familien,  die  sich  zu  Stämmen  erweitern,  welche  noch
immer  Blutsverwandtschaft  bewahren  und  selbst  nachdem  sie  große
Völker  geworden,  eine  gemeinsame  Abstammung  beanspruchen.
Sind  Wesen  dieser  Art  auf  eine  Welt  von  so  großer  Verschiedenartigkeit ­
  der  Vberflächengestaltung  und  des  Klimas  wie  die  unsrige
gestellt,  so  muß  offenbar  selbst  bei  gleicher  Fähigkeit  und  gleichem  Ausgangspunkt ­
  die  soziale  Entwicklung  eine  sehr  verschiedenartige  sein.
Die  erste  Schranke  oder  der  erste  widerstand  gegen  die  Vereinigung
wird  aus  den  Bedingungen  der  physischen  Natur  erwachsen,  und  da
dieselben  je  nach  der  Grtlichkeit  stark  wechseln,  so  müssen  sich  im  sozialen
Fortschritt  entsprechende  Unterschiede  zeigen.  Die  Schnelligkeit  der
Bevölkerungszunahme  und  die  Innigkeit  der  Gemeinschaft,  welche  durch
die  Bevölkerungszunahme  ermöglicht  wird,  hängen  bei  dem  tiefen
            
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