Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  III.

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Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

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zerstört  wird.  So  wurde  die  römische  Zivilisation,  welche  sich  durch  Eroberungen, ­
  die  den  inneren  Frieden  sicherten,  über  Europa  ausgebreitet
hatte,  durch  die  Invasionen  der  nordischen  Völker  überwältigt,  welche
die  Gesellschaft  wieder  in  unzusammenhängende  Teile  zerschellten,
und  die  moderne  Zivilisation  begann,  als  das  Feudalsystem  aufs  neue
die  Menschen  in  größeren  Staaten  vereinigte  und  als  die  geistliche  Oberherrschaft ­
  Roms  diese  Staaten  in  eine  gemeinschaftliche  Verbindung
brachte,  wie  es  früher  dessen  Legionen  getan  hatten.  Als  dann  die
feudalen  Bande  zu  nationalen  Autonomien  wurden  und  das  Ehristentum
die  Sitten  hob,  die  Wissenschaften  aus  ihrer  Verborgenheit  zog,  die  Fäden
friedlicher  Einigung  in  seiner  alldurchdringenden  Organisation  zusammenflocht ­
  und  in  seinen  religiösen  Orden  die  Vereinigung  lehrte,  wurde  ein
noch  größerer  Fortschritt  möglich,  der  mit  immer  zunehmender  Kraft
vorangeschritten  ist,  je  inniger  die  Verbindung  und  das  Zusammenwirken
war,  in  welche  die  Menschen  gebracht  wurden.
wir  werden  jedoch  den  Lauf  der  Zivilisation  und  die  verschiedenen
Erscheinungen,  welche  ihre  Geschichte  darbietet,  nie  verstehen,  ohne
dasjenige  in  Betracht  zu  ziehen,  was  ich  die  inneren  widerstände  oder
Gegenkräfte  nennen  möchte,  die  im  Kerzen  der  fortschreitenden  Gesellschaft ­
  entstehen  und  allein  erklären  können,  wie  eine  schon  vorgeschrittene
Zivilisation  entweder  von  selbst  zum  Stillstand  kommen  oder  von  Barbaren ­
  zerstört  werden  kann.
Die  geistige  Kraft,  welche  das  bewegende  Prinzip  des  sozialen
Fortschrittes  ist,  wird  durch  Assoziation,  welche  recht  eigentlich  eine
Integration  (Ergänzung)  genannt  werden  kann,  freigemacht.  Die  Gesellschaft ­
  wird  dabei  komplizierter,  ihre  Individuen  voneinander  abhängiger. ­
  Beschäftigungen  und  Verrichtungen  spezialisieren  sich.  Anstatt ­
  zu  wandern,  wird  die  Bevölkerung  ansässig.  Anstatt  daß  sich  jeder
alles,  was  er  braucht,  selbst  macht,  werden  die  verschiedenen  Gewerbe
und  Geschäfte  gesondert,  der  eine  erwirbt  Geschick  in  dem,  der  andere
in  jenem.  Ebenso  verzweigt  sich  die  Wissenschaft,  deren  Umfang  beständig
größer  wird  und  von  einem  einzelnen  immer  weniger  zu  bewältigen
ist,  in  verschiedene  Fächer,  denen  sich  die  einzelnen  widmen.  Auch  die
Abhaltung  religiöser  Feierlichkeiten  kommt  in  die  pände  einer  besonderen
diesem  Zwecke  dienenden  Körperschaft,  und  die  Aufrechterhaltung  der
Ordnung,  die  Iustizpflege,  die  Steuerverwaltung  und  Kriegführung
werden  spezielle  Funktionen  einer  organisierten  Regierung.  Kurz,
um  Herbert  Spencers  Ausdruck  zu  gebrauchen,  die  Entwicklung  der
Gesellschaft  ist,  in  bezug  auf  ihre  einzelnen  Bestandteile,  der  Übergang
von  einer  unbestimmten  unzusammenhängenden  Gleichartigkeit  zu  einer
bestimmten  zusammenhängenden  Vielartigkeit.  Io  niedriger  die  Stufe
sozialer  Entwicklung  ist,  desto  mehr  gleicht  die  Gesellschaft  jenen  niedrigsten ­
  tierischen  Organismen,  die  ohne  Organe  oder  Glieder  sind,
und  von  denen  ein  Teil  abgeschnitten  werden  kann  und  doch  noch  lebt.
Je  höher  die  Stufe  der  sozialen  Entwicklung,  desto  mehr  gleicht  die
            
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