Full text : Fortschritt und Armut

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Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

Buch  X,

die  Änderung  die  Schranken,  welche  die  Zunft  von  den  gewöhnlichen
Leuten  abschließt,  eingerissen,  und  sie  so  ihrer  Bedeutung  und  Macht
beraubt  werden  könnte,  und  sie  ist  inrnrer  geneigt,  ihre  Spezialkenntnisse
oder  Kunst  sorgfältig  geheimzuhalten.
Auf  diese  weise  folgt  auf  den  Fortschritt  die  Versteinerung.  Die
zunehmende  Ungleichheit  bringt  den  Fortschritt  notwendig  zum  Stillstände ­
  und  trassiert  sogar,  wenn  er  noch  fortdauert  oder  unnütze  Reaktionen ­
  hervorruft,  auf  die  zur  Unterhaltsbeschaffung  erforderliche  geistige
Kraft,  und  der  Rückgang  beginnt.
Diese  Prinzipien  machen  die  Geschichte  der  Zivilisation  verständlich. ­

wo  Klima,  Bodenbeschaffenheit  und  die  Gberflächengestalt  des
Landes  am  wenigsten  darauf  hinwirkten,  die  sich  mehrende  Bevölkerung
zu  trennen,  und  wo  demzufolge  die  ersten  Zivilisationen  entstanden,
mußten  sich  die  den  Fortschritt  aufhaltenden  Einflüsse  naturgemäß
in  einer  regelmäßigeren  und  vollständigeren  weise  entwickeln  als  da,
wo  kleinere  Staaten,  die  in  ihrer  Sonderung  verschiedenartigkeilen
entwickelt  hatten,  nachher  in  engere  Verbindung  traten.  Dies  ist  es,
wie  mir  scheint,  was  die  Eigentümlichkeiten  der  früheren  im  vergleich
mit  den  späteren  Zivilisationen  Europas  erklärt,  homogene  Staaten,
die  sich  von  vornherein  ohne  den  Mißton  des  Konfliktes  zwischen  verschiedenen ­
  Gebräuchen,  Gesetzen,  Religionen  usw.  entwickeln,  müssen
eine  viel  größere  Übereinstimmung  zeigen.  Die  konzentrierenden
und  konservativen  Kräfte  müssen  alle,  sozusagen,  an  demselben  Strang
ziehen.  Keine  eifersüchtigen  Häuptlinge  werden  sich  gegenseitig  das
Gleichgewicht  halten,  noch  Glaubensverschiedenheiten  die  Zunahme
des  priesterlichen  Einflusses  im  Zaum  halten.  Politische  und  religiöse
Macht,  Reichtum  und  Kenntnisse  werden  sich  so  in  denselben  Mittelpunkten ­
  konzentrieren.  Dieselben  Ursachen,  welche  den  erblichen  König
und  den  erblichen  Priester  hervorbringen,  werden  den  erblichen  Handwerker ­
  und  Arbeiter  hervorbringen  und  die  Gesellschaft  in  Kasten  teilen.
Die  Kräfte,  die  durch  die  Assoziation  für  den  Fortschritt  freigemacht
sind,  werden  somit  vergeudet  und  Schranken  gegen  den  weiteren  Fortschritt ­
  aufgerichtet  werden.  Die  überschüssigen  Kräfte  der  Massen  werden
der  Aufführung  von  Tempeln,  Palästen  und  Pyramiden,  der  Frönung
des  Stolzes  und  der  Befriedigung  der  Prunksucht  ihrer  Herrscher  gewidmet ­
  sein;  und  wenn  unter  den  vornehmeren  Klassen  irgendwelche
Neigung  zu  Fortschritten  auftritt,  so  würde  sie  sofort  durch  die  Furcht
vor  Neuerung  gehemmt  werden.  Die  auf  solche  weise  sich  entwickelnde
Gesellschaft  muß  schließlich  in  einem  Konservatismus  enden,  der  keinen
weiteren  Fortschritt  gestattet.
wie  lange  ein  solcher  Zustand  vollständiger  Versteinerung,  wenn
er  erst  einmal  erreicht  ist,  fortdauern  wird,  scheint  von  äußeren  Umständen ­
  abzuhängen;  denn  die  eisernen  Bande  der  aufgerichteten  sozialen
Ummauerung  unterdrücken  die  zersetzenden  Kräfte  ebensowohl  wie  den
            
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