Full text : Fortschritt und Armut

Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

Buch  X.

sich  erst  der  einzigen  gZuelle  der  Macht  versichert,  dann  hat  inan  sich  alles
verschafft.  Da  bleibt  keine  unfreie  Masse,  die  angerufen  werden  könnte;
kein  bevorrechteter  Rang,  der  in  der  Verteidigung  seiner  eigenen  Rechte
diejenigen  aller  schützen  kann.  Kein  Bollwerk  bleibt  übrig,  urn  die  Flut
zu  stauen,  keine  Höhe,  urn  sich  über  dieselbe  zu  erheben.  Es  waren  bewehrte, ­
  von  einem  infulierten  Erzbischof  geführte  Barone,  die  den  Plantagenet ­
  unter  die  Magna  Lharta  beugten;  es  war  der  Mittelstand,
der  den  Stolz  der  Stuarts  brach;  aber  eine  bloße  Geldaristokratie  wird
nie  kämpfen,  solange  sie  hoffen  darf,  einen  Tyrannen  zu  bestechen.
Und  wenn  die  Ungleichheit  der  Verhältnisse  zunimmt,  macht  das
allgemeine  Stimmrecht  es  leicht,  die  Tuelle  der  Macht  an  sich  zu  reißen,
denn  um  so  größer  ist  der  Anteil  an  der  Macht  in  den  fänden  derjenigen,
die  kein  direktes  Interesse  an  der  Leitung  der  Regierung  haben,  die,
vom  Mangel  gequält  und  vom  Elend  vertiert,  bereit  sind,  ihre  Stimmen
dem  chöchstbietenden  zu  verkaufen  oder  der  Leitung  des  am  lautesten
blökenden  Demagogen  zu  folgen,  oder  die,  durch  Not  verbittert,  sogar
eine  ruchlöse  und  tyrannische  Regierung  mit  der  Genugtuung  betrachten,
die  wir  uns  bei  den  Proletariern  und  Sklaven  Roms  vorstellen  können,
als  sie  einen  Laligula  oder  Nero  unter  den  reichen  Patriziern  wüten
sahen.  In  einem  Staate  mit  republikanischen  Institutionen,  in  welchem
die  eine  Klasse  zu  reich  ist,  um  in  ihrem  Luxus  eine  Verkürzung  zu  empfinden, ­
  wie  auch  die  öffentlichen  Angelegenheiten  geleitet  werden
mögen,  und  eine  andere  so  arm,  daß  am  Wahltage  einige  Dollar  größeren
Einfluß  haben  als  jede  abstrakte  Rücksicht,  in  welchem  die  wenigen  sich
im  Reichtum  wälzen  und  die  vielen  über  einen  Zustand  der  Dinge,  dem
sie  nicht  abzuhelfen  wissen,  vor  Unmut  schäumen,  in  einem  solchen  Staate
muß  die  Macht  in  die  ^ände  von  Jobbern  fallen,  die  sie  kaufen  und  verkaufen, ­
  wie  die  Prätorianer  den  römischen  Purpur  verkauften,  oder  in
die  bsände  von  Demagogen,  die  sie  ergreifen  und  eine  Zeitlang  handhaben, ­
  nur  um  durch  schlimmere  Demagogen  ersetzt  zu  werden.
wo  eine  einigermaßen  gleiche  Reichtumsverteilung  besteht,  —
d.  h.  wo  allgemeine  Vaterlandsliebe,  Tugend  und  Bildung  herrschen
—  da  wird  die  Regierung  je  demokratischer,  desto  besser  sein;  umgekehrt,
wo  die  Reichtumsverteilung  eine  sehr  ungleiche  ist,  je  demokratischer
desto  schlimmer;  denn  wenn  auch  eine  verderbte  Demokratie  an  sich
nicht  schlimmer  ist  als  eine  verderbte  Autokratie,  so  werden  doch  ihre
Wirkungen  auf  den  Nationalcharakter  schlimmer  sein.  Landstreichern,
Almosenempfängern,  Leuten  die  nach  Arbeit  hungern,  Leuten  die  betteln,
stehlen  oder  verhungern  müssen,  wenn  sie  keine  Arbeit  finden,  solchen
Leuten  Stimmrecht  zu  erteilen,  ist  nicht  mehr  und  nicht  weniger  als  die
Zerstörung  provozieren,  politische  Macht  in  die  Lsände  hungriger,  durch
die  Armut  erbitterter  und  erniedrigter  Leute  zu  legen,  heißt  den  Füchsen
Feuerbrände  an  die  Schwänze  binden  und  sie  unter  das  wallende  Korn
loslassen;  es  heißt  einem  Simson  die  Augen  ausstechen  und  seine  Arme
um  die  Pfeiler  des  nationalen  Lebens  legen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.