Full text : Fortschritt und Armut

Arbeitslohn  und  Rapital.

Buch  I*

als  Kapital  zu  betrachten  ist  und  was  nicht.  Die  Vorräte  eines  Juweliers
z.  B.  würden  nach  der  Auffassung  von  Smith  als  Kapital  betrachtet,
Nahrungsmittel  und  Kleidungsstücke  eines  Arbeiters  dagegen  ausgeschlossen ­
  werden.  Die  Definitionen  von  Ricardo  und  McEulloch
schließen  dagegen  den  Vorrat  des  Juweliers  aus,  ebenso  diejenige
Mills,  wenn  die  von  mir  zitierten  Worte  desselben  so  zu  verstehen  sind,
wie  die  meisten  sie  verstehen  würden.  Nach  seiner  Erläuterung  jedoch
entscheidet  weder  die  Natur  noch  die  Bestimmung  der  Dinge  selbst
darüber,  ob  sie  Kapital  sind  oder  nicht,  sondern  vielmehr  die  Absicht
des  Eigentümers,  ob  er  entweder  die  Dinge  selbst  oder  den  bei  ihrem
Verkauf  empfangenen  Wert  dazu  benutzen  will,  um  produktive  Arbeit
mit  Werkzeugen,  Stoffen  und  Unterhalt  zu  versehen.  Alle  diese  Definitionen ­
  schließen  jedoch  übereinstimmend  die  Vorräte  und  Kleider
des  Arbeiters  ein,  welche  Smith  ausschließt.
Wir  wollen  jetzt  diese  drei  Definitionen,  welche  die  besten  Lehren
der  herrschenden  Nationalökonomie  darstellen,  näher  betrachten.
Gegen  McLullochs  Definition  des  Kapitals  als  „alle  die  Teile
der  Erzeugnisse  des  Gewerbfleißes,  welche  unmittelbar  dazu  benutzt
werden  können,  um  entweder  das  menschliche  Dasein  zu  erhalten  oder
die  Produktion  zu  erleichtern",  gibt  es  naheliegende  Einwendungen.
Man  braucht  nur  irgendeine  Hauptstraße  einer  blühenden  Stadt  entlang ­
  zu  gehen  und  die  Läden  mit  allen  Arten  wertvoller  Dinge  zu
sehen,  die  zwar  weder  zur  Erhaltung  des  menschlichen  Daseins,  noch  zur
Erleichterung  der  Produktion  verwendet  werden  können,  gleichwohl
aber  unzweifelhaft  ein  Teil  des  Kapitals  des  Ladeninhabers  und  ein
Teil  des  Kapitals  der  Gesellschaft  sind.  Und  nicht  minder  kann  man
Erzeugnisse  des  Gewerbfleißes  sehen,  die  wohl  geeignet  sind,  das  menschliche ­
  Dasein  zu  erhalten  und  die  Produktion  zu  erleichtern,  gleichwohl
aber  nur  der  Eitelkeit  und  dem  Luxus  dienen.  Sicherlich  bilden  dieselben,
obgleich  sie  es  könnten,  keinen  Teil  des  Kapitals.
Ricardos  Definition  vermeidet,  unter  dem  Kapital  Dinge  zu  begreifen, ­
  die  zur  Produktion  verwendet  werden  könnten,  aber  nicht
werden,  und  umfaßt  nur  diejenigen,  die  so  verwendet  werden.  Aber
auch  sie  unterliegt  dem  ersteren,  gegen  McEulloch  erhobenen  Einwände,
wenn  nur  diejenigen  Güter  Kapital  sind,  die  zum  Unterhalt  von  Produzenten ­
  oder  zum  Beistand  der  Produktion  verwendet  werden  oder
werden  können  oder  dazu  bestimmt  sind,  dann  sind  die  Vorräte  der
Juweliere,  Spielwarenhändler,  Tabakshändler,  der  Konditoreien,  der
Bilderhändler  usw.,  genug  alle  Vorräte,  die  aus  Luxusartikeln  bestehen, ­
  kein  Kapital.
wenn  Mill  dadurch,  daß  er  die  Entscheidung  in  die  Absicht  des
Kapitalisten  legt,  diesen  Ubelstand  vermeidet  (was  mir  immerhin
zweifelhaft  ist),  so  wird  dadurch  der  Unterschied  so  vage,  daß  niemand,
der  nicht  allwissend  ist,  in  einem  gegebenen  Lande  oder  zu  einer  gegebenen ­
  Zeit  sagen  könnte,  was  Kapital  fei  und  was  nicht.
            
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