Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  II.

Der  Sinn  der  Ausdrücke.

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Der  große  Fehler,  den  diese  Definitionen  nriteinander  gemein
haben,  ist,  daß  sie  Elemente  einschließen,  die  augenscheinlich  nicht  als
Kapital  betrachtet  werden  dürfen,  wenn  zwischen  Arbeitern  und  Kapitalisten ­
  noch  irgendein  Unterschied  bestehen  soll.  Denn  sie  verweisen
in  die  Kategorie  des  Kapitals  ebensowohl  die  Nahrungsmittel,  Kleidungsstücke ­
  usw.  des  Tagelöhners,  die  er  verbrauchen  muß,  gleichviel
ob  er  arbeitet  oder  nicht,  als  das  im  Besitz  des  Kapitalisten  befindliche
vermögen,  mit  dem  er  dem  Arbeiter  seine  Arbeit  zu  bezahlen  beabsichtigt
^Augenscheinlich  aber  ist  dies  nicht  der  Sinn,  in  welchem  der  Ausdruck ­
  Kapital  von  diesen  Schriftstellern  gebraucht  wird,  wenn  sie  davon
reden,  daß  die  Arbeit  und  das  Kapital  sich  in  verschiedener  Weise  an
der  Produktion  beteiligen  und  verschiedene  Anteile  an  der  Verteilung ­
  ihres  Ertrags  erhalten;  wenn  sie  sagen,  daß  der  Arbeitslohn
dem  Kapital  entnommen  werde,  oder  von  dem  Verhältnis  zwischen
den  Arbeitskräften  und  dem  Kapital  abhängig  sei,  oder  wie  sonst  der
Ausdruck  in  der  Regel  von  ihnen  gebraucht  wird.  In  allen  diesen  Fällen
wird  das  wort  Kapital  in  seinem  gewöhnlichen  Sinne  gebraucht,  als
jener  Teil  der  Güter,  die  ihre  Eigentümer  nicht  unmittelbar  für  sich,
sondern  zur  Erlangung  von  mehr  Gütern  zu  verwenden  beabsichtigen.
Kurz,  sowohl  bei  den  Nationalökonomen  (außer  in  ihren  Definitionen
und  Prinzipien)  als  auch  bei  allen  anderen  Leuten  heißt,  um  Adam
Smiths  Worte  zu  gebrauchen,  „derjenige  Teil  von  jemandes  vermögen, ­
  von  dem  er  ein  Einkommen  erwartet,  sein  Kapital".  Dies  ist
der  einzige  Sinn,  in  welchem  das  wort  Kapital  einen  feststehenden
Begriff  ausdrückt  —  der  einzige  Sinn,  in  welchem  wir  es  mit  der  erforderlichen ­
  Klarheit  von  den  Gütern  unterscheiden  und  es  mit  der
Arbeit  in  Gegensatz  stellen  können.  Denn  wenn  wir  als  Kapital  alles
betrachten  müßten,  was  den  Arbeiter  mit  Nahrung,  Kleidung,  Obdach  usw.
versieht,  dann  müßten  wir,  um  einen  Arbeiter  zu  finden,  der  nicht
zugleich  Kapitalist  wäre,  einen  völlig  nackten  Menschen  aufspüren,  der
nicht  einmal  einen  zugespitzten  Stock  oder  eine  Erdhöhle  sein  nennt  —
eine  Lage,  in  der,  abgesehen  von  außerordentlichen  Fällen,  noch  niemals
Menschen  gefunden  wurden.
Die  Uneinigkeit  und  Ungenauigkeit  in  diesen  Definitionen  scheint
mir  aus  dem  Umstande  zu  entspringen,  daß  der  Begriff  des  Kapitals
aus  einem  vorgefaßten  Begriffe  von  der  Art  und  Weise,  wie  dasselbe
die  Produktion  unterstützt,  hergeleitet  wurde.  Anstatt  erst  festzustellen,,
was  das  Kapital  ist,  und  dann  zu  beobachten,  was  das  Kapital  tut,
nahm  man  zuerst  gewisse  Funktionen  des  Kapitals  an  und  gab  dann
eine  Definition  des  Wortes,  welche  alle  Dinge  umfaßt,  die  jene  Funktionen ­
  verrichten  oder  verrichten  können.  Wir  wollen  dieses  Verfahren
umkehren  und,  die  natürliche  Ordnung  befolgend,  erst  feststellen,  was
das  Ding  ist,  bevor  wir  zu  ergründen  suchen,  was  es  tut.  wir  haben
weiter  nichts  zu  tun,  als  sozusagen  das  Maß  und  die  Grenzen  eines
            
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