Full text : Fortschritt und Armut

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Arbeit5lohn  und  Kapital.

Buch  I.

kein  Nähen,  ohne  Pflug  keinen  Ackerbau  geben  könne;  oder  daß  auf  einer
einsamen  Insel,  wie  die  Robinson  Lrusoes,  keine  Arbeit  möglich  sei,
weil  kein  Austausch  statthaben  könne.
Auch  ist  es  etwas  anderes  zu  sagen,  daß  das  Kapital  die  Form  und
Ergiebigkeit  des  Gewerbfleißes  beschränken  kann,  als  zu  sagen,  daß
es  dies  tue.  Denn  die  Fälle,  in  welchen  mit  Recht  gesagt  werden  kann,
daß  die  Form  und  Ergiebigkeit  des  Gewerbfleißes  in  einem  Lande
durch  dessen  Kapital  beschränkt  werden,  dürsten,  glaube  ich,  bei  näherer
Prüfung  mehr  theoretisch  als  wirklich  erscheinen.  Es  ist  offenbar,  daß
in  einem  Lande  wie  Mexiko  oder  Tunis  die  größere  und  allgemeinere
Verwendung  von  Kapital  die  Formen  des  Gewerbfleißes  bedeutend
ändern  und  dessen  Ergiebigkeit  enorm  steigern  würde;  und  man  sagt
von  solchen  Ländern  oft,  daß  sie  zur  Entwicklung  ihrer  Hilfsquellen
Kapital  brauchen.  Aber  ist  da  nicht  noch  etwas  im  Hintergründe  —-  ein
Mangel,  welcher  den  Mangel  an  Kapital  involviert?  Ist  es  nicht  die  Habgier ­
  und  Mißwirtschaft  der  Regierung,  die  Unsicherheit  des  Eigentums,
die  Unwissenheit  und  das  Vorurteil  des  Volkes,  was  die  Ansammlung
und  die  Verwendung  von  Kapital  verhindert?  Liegt  nicht  die  wahre
Schranke  in  diesen  Dingen  und  nicht  in  dem  Mangel  an  Kapital,  das
dort  nicht  verwendet  werden  würde,  selbst  wenn  es  vorhanden  wäre?
Allerdings  können  wir  uns  ein  Land  vorstellen,  in  welchem  der  Kapitalmangel ­
  das  einzige  Hindernis  für  eine  größere  Ergiebigkeit  der  Arbeit
ist,  allein  wir  müssen  uns  dazu  ein  Zusammentreffen  von  Umständen
denken,  das  selten  oder  nie  eintritt,  außer  durch  Zufall  oder  vorübergehend.
Lin  Land,  in  welchem  das  Kapital  durch  Krieg,  Brand  oder  elementare
Ereignisse  vernichtet  wurde,  und  vielleicht  eine  junge  Kolonie  in  einem
neuen  Lande,  scheinen  mir  die  einzigen  Beispiele  zu  bieten,  wie  schnell
aber  das  gewohnheitsmäßig  verwendete  Kapital  in  einem  durch  Krieg
verwüsteten  Lande  wieder  erzeugt  wird,  ist  seit  langer  Zeit  beobachtet
worden,  während  in  einem  neuen  Staate  die  schnelle  Produktion  des
Kapitals,  welches  er  verwenden  kann  oder  will,  nicht  minder  anerkannt  ist.
Ich  vermag  mir  nur  seltene  oder  vorübergehende  Umstände  vorzustellen, ­
  unter  denen  die  Ergiebigkeit  der  Arbeit  wirklich  durch  den
Mangel  an  Kapital  beschränkt  wird.  Denn  obwohl  in  einem  Lande
einzelne  vorhanden  sein  mögen,  die  wegen  Mangels  an  Kapital  ihre
Arbeit  nicht  so  wirksam  machen  können,  wie  sie  wohl  möchten,  so  ist
doch,  solange  in  dem  Lande  überhaupt  hinreichendes  Kapital  vorhanden
ist,  die  wahre  Schranke  nicht  der  Mangel  an  Kapital,  sondern  der  Mangel
an  gehöriger  Verteilung.  Wenn  eine  schlechte  Regierung  den  Arbeiter
seines  Kapitals  beraubt,  wenn  ungerechte  Gesetze  dem  Produzenten
die  Güter,  mit  denen  er  die  Produktion  unterstützen  würde,  nehmen
und  sie  denen  aushändigen,  die  bloße  Pensionäre  des  Gewerbfleißes
sind,  so  ist  die  wahre  Schranke  der  Ergiebigkeit  der  Arbeit  nicht  der
Kapitalmangel,  sondern  die  Mißregierung.  Und  ebenso  bei  Unwissenheit, ­
  herkommen  oder  anderen  Verhältnissen,  welche  die  Verwendung
            
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