Full text : Wirtschaft als Leben

Über  die  „Grundbegriffe“  VII.  123
gang  gar  nicht  eigentlich  in  der  Nationalökonomie,  sondern  schon  vorher
in  fremden  Wissenschaften  abgespielt  hätte,  und  dann  eben  innerhalb  von
Erörterungen,  die  trotz  ihres  äußerlichen  Verbandes  die  nationalökonomische
Eigenart  vorwegnehmen.  Die  Nationalökonomie  steht  da  weniger  geschaffenen
Tatsachen  gegenüber,  als  sie  zum  Teil  aus  eben  diesen  Tatsachen  selber  erst
geschaffen  wurde.  Ihr  Werdegang  verläuft  eben  jugendwärts  in  andere  Wissenschaften ­
  hinein,  und  was  dort  geschehen,  ist  dem  grundsätzlichen  Verhältnis
nach  doch  in  der  Nationalökonomie  geschehen.  Das  hängt  nicht  einfach
an  den  gleichen  Worten,  sondern  vor  allem  an  der  nämlichen  Rolle  der
gleichen  Worte.  Und  hier  nun  wieder  der  Anschluß  an  die  Sache,  nach
einer  langen  Abschweifung,  zum  Teil  freilich  gegen  den  Kern  der  Sache  hin.

VII.
Ursprünglich  mußten  die  vielberufenen  Worte  auch  in  der  Nationalökonomie ­
  eine  harmlose,  unbefangene  Verwendung  finden.  Allerdings
hat  der  Zwang  zu  ihrer  vergleichsweisen  Vielverwendung  trotzdem
schon  bestanden:  der  ist  ja  unzertrennlich  von  der  nationalökonomischen
Erörterung,  wie  sie  anders  in  der  Erfahrung  einmal  nicht  gegeben  ist.
Aber  dieser  Zwang  hat  eben  blind  vorgewaltet;  das  wissenschaftliche
Denken  war  sich  seiner  auch  nicht  für  einzelne  jener  Worte  bewußt.
Es  hat  der  letzteren  Hilfe  nicht  anders  in  Anspruch  genommen,  als
dies  für  die  übrigen  Worte  der  lebenden  Sprache  gilt.  Diese  Worte
waren  der  Tatsache  nach  schon  in  ihrer  Rolle,  als  Fachausdrücke;  aber
sie  verloren  sich  gleichsam  noch  im  Dunkel  der  Sprache.
Diese  Vorstellung  muß  uns  heutigentages  befremden;  das  erklärt
sich  aus  mehreren  Gründen,  vor  allem  aus  einem  ganz  allgemeinen.
Die  Flut  der  Definitionen  und  „Wesenserklärungen“,  der  „Lehren“
und  „Theorien“,  die  sich  seither  über  jene  Worte  ergossen  hat,  der
endlose  Streit,  der  sich  daraus  entsponnen,  dies  Alles  hat  uns  diese
Worte  bis  zu  solchem  Überdruß  unter  die  Nase  gerieben,  daß  unser
Denken  seine  Harmlosigkeit  ihnen  gegenüber  bis  auf  den  letzten  Rest
einbüßen  mußte.  Schon  deshalb  fällt  es  uns  schwer,  von  der  Vorstellung ­
  auszugehen,  daß  auch  diese  Worte  einst  ganz  so  verwendet
wurden,  als  etwa  die  Wörtchen  „der“,  „die“,  „das“.  Inzwischen,  seit
das  Herkommen  der  Bezeichnung  „Grundbegriffe“  die  Reihe  dieser
Worte  an  die  Seite  zu  stellen  wußte,  als  die  Aufzählung  des  so  Bezeichneten,
  gilt  von  diesen  Worten,  daß  sie  für  unser  Auge  aus  allen
Zusammenhängen  hervorstechen,  selbst  dort,  wo  sie  mit  Absicht  ganz
unbefangen  verwendet  werden  —  eine  Unbefangenheit,  die  übrigens
            
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