Full text : Wirtschaft als Leben

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„Die  Herrschaft  des  Wortes“,

schon  deshalb  keine  echte  mehr  sein  kann,  weil  dabei  nunmehr  ein
Widerspruch  gegen  das  nationalökonomische  Herkommen  unterläuft.
Derlei  passive  Auflehnung  gegen  das  „Herrschen“  dieser  Worte,  um
auch  dies  vorgreifend  zu  berühren,  bleibt  auf  halbem  Wege  stecken,
so  gut  und  richtig  sie  gemeint  ist.  •
Gegen  jene  Vorstellung,  von  der  man  trotzdem  notwendig  ausgehen ­
  muß,  lehnt  sich  noch  etwas  anderes  auf.  Es  widerspräche  zwar
unseren  herkömmlichen  Anschauungen  selber,  anzunehmen,  daß  die
Nationalökonomie  gleich  mit  einer  richtigen  Aufzählung  jener  Worte
ins  Dasein  getreten  wäre.  Das  schlösse  gerade  vom  Boden  des  Herkömmlichen ­
  aus  in  sich,  daß  eine  Wissenschaft  mit  der  Erkenntnis
ihrer  „Grundbegriffe“  ins  Dasein  treten  würde;  eine  durchaus  unwirkliche ­
  Vorstellung.  Es  legt  sich  jedoch  um  anderer  Umstände  wegen
gefühlsmäßig  nahe,  daß  alles  nationalökonomische  Denken  von  Haus
aus  in  einem  wesentlichen  Sinne  mit  jenen  Worten  zu  schaffen  hatte;
in  dem  Sinne,  daß  es  gleichsam  als  ein  Denken  aus  diesen  Worten
heraus  geboren  wurde;  als  ein  Denken  nämlich  über  „die  Wirtschaft“,
„den  Wert“,  „die  Güter“  und  so  fort.  Für  dieses  Vorurteil  lassen  sich
zwei  Wurzeln  vorweisen.
Die  Nationalökonomie  mag  wie  immer  emporgewachsen  sein,  zum
rechten  Bewußtsein  ihrer  selbst  ist  sie,  gleich  jeder  anderen  Wissenschaft,
erst  dadurch  gelangt,  daß  man  zwischen  vielerlei  Erkenntnissen  genug
Einheit  wahrnahm,  um  sie  zu  einem  gegliederten  Aufbau,  zu  einem
„Systeme“  zu  vereinen.  Es  liegt  aber  nahe,  daß  bei  aller  „Systematisierung“ ­
  der  Wissenschaft  die  Worte,  an  denen  man  herkömmlich  die
„Grundbegriffe“  aufzählt,  irgendwie  zum  Anhalt  wurden.  In  der  Tat,
wo  immer  die  nationalökonomischen  Erkenntnisse  in  Reih  und  Glied
zu  bringen  waren,  fiel  den  Eingeborenen  Fachausdrücken  dabei  die
Rolle  der  Flügelmänner  zu;  ihnen  selber,  oder  doch  Worten,  die  sich
für  ihr  eigenes  Verhältnis  zu  unserem  Denken  auf  jenes  von  einzelnen
dieser  Ausdrücke  berufen  —  man  denke  zum  Beispiel  an  „Produktion,
Konsumtion,  Verteilung  der  Güter“  und  ähnliches.  So  haftet  unserem
Denken  die  Neigung  an,  nach  jenen  Flügelmännern  auszublicken;  unwillkürlich ­
  suchen  wir  jede  gegebene  nationalökonomische  Erörterung
mittelbar  oder  unmittelbar  mit  einem  der  Eingeborenen  Fachausdrücke
in  Beziehung  zu  bringen.  In  solcher  Weise  erstehen  unserem  Denken
für  den  überschauenden  Blick  die  verschiedenen  „Lehren“:  „Lehre
von  der  Wirtschaft“,  „Lehre  vom  Werte“,  „Lehre  vom  Einkommen“
und  so  fort.  Das  sind  übrigens  „Lehren“  im  weiteren  Sinne;  sie
haben  nur  mittelbar  mit  jenen  „Lehren“  im  engeren  Sinne  zu
schaffen,  die  sich  damit  ergeben,  daß  sich  die  Eingeborenen  Fach ­
            
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