184
,Die Herrschaft des Wortes“,
liches ist; daß er unabhängig vom Worte, und auch unabhängig von
allem Zusammenhang, den Rahmen unseres Bewußtseins ausfüllen kann,
als ein bloßes Bild der Erinnerung. Denn gleichgültig, ob wir überhaupt
schon eine sinnliche Welt vor uns haben, und nach bloßen Erscheinungen
in ihr zu sondern wissen, sehen wir eben den „Lauf“,
wir sehen einen „Fall“. Und gleichgültig, in welcher versteckten Beziehung
dies alles zu unserem Denken stehen mag, es fällt auch der
Fluß noch in den Spielraum unserer Anschauung. Freilich, jenes
„höhere“ Geschehen, das über dem Strömen waltet, das sehen wir nur
mehr „im Geiste“. Auch hier aber spricht die Anschauung das entscheidende
Wort. Denn nur so, wie vor unserem körperlichen Auge
der „Fall“ sich dartut, sei es mit oder ohne Hilfe unseres Denkens,
nur so „wandert“ er vor unserem geistigen Auge. In dieser schlichten,
anschaulichen Weise grenzt sich aus dem Gewirre des Naturgeschehens
diese Einheit heraus. Was uns über jene zeitlich-räumliche
Nachbarschaft von Geschehen und Sein belehrt, das spinnt hier den „roten
Faden“; jenen Faden, der sich gleichsam durch ein Vielerlei von Zuständen
hindurchzieht, quer über den Zeitenlauf und ihm entlang, und
daraus eine Einheit macht, etwas Zuständliches, das sich entwickelt.
Soweit das Gleichnis. Die Beispiele für unsere jetzige Sache
zähle ich bloß beim Namen her; es wäre viel zu umständlich, ja ohne
lange Vorbereitung gar nicht möglich, auch nur eines richtig zu entfalten.
Zur Sache spreche ich dann nur im allgemeinen, und darf es
um so kürzer tun, da ja ihr Gleichnis im voraus erörtert ist und ihre
Beispiele wenigstens genannt sind. In der Tat klingen lauter Inhalte
an, in die eine Fülle von erlebtem Geschehen eingeschöpft
erscheint, spricht man in diesem Zusammenhänge hier
von einem „Staate“, etwa vom „Deutschen Reiche“; oder von einer
„Universität“, etwa der „Ruperto Carola“; oder auch von einem „Postamt“,
einer „Unternehmung“, einem „Haushalt“; als Proben aus einer
strotzenden Menge. Nur hängt es in keinem Falle an den Worten
selber, die je nach Umständen auch etwas ganz anderes bedeuten
könnten. Der Zusammenhang allein tut es, wie ja unser Denken immerzu
der Sklave seines eigenen Verlaufes bleibt.
Auch hier ersteht die Frage, ob nicht bloße Inbegriffe von
erlebtem Geschehen vorliegen; seien es auch Inbegriffe in der Abart
des Zustandes, ähnlich dem Inhalte „Steinzeit“. Es kommt hier also
darauf an, ob unser Denken aus eigener Willkür ganze Massen
von Geschehen mit einem Griffe umspannt. Allein, die besinnliche
Auflösung jener Inhalte verneint dies! Auflösen, wohlgemerkt,
nicht definieren. Davon sei abgesehen, wie schwer es hielte, die an