Full text : Wirtschaft als Leben

Ausblicke,  XI.

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und  sie  lastet  daher  dem  erbenden  Denken,  der  unzerfällenden  Erkenntnis, ­
  als  eine  drückende  Fremdherrschaft  auf.  Die  „Lehre  vom
Schluß“  geht  eher  noch  jegliches  Denken  an,  trotz  der  wechselnden
Vorliebe  für  gewisse  Schlußformen.  Aber  sie  macht  leider  dort  am
wenigsten  selig,  wo  mehr  als  irgendwo  anders  der  gesunde  Menschenverstand ­
  der  Weber  ist.
Jener  Wechselbezug  ist  damit  gegeben,  daß  uns  vor  der  Welt
des  Handelns  jeder  beliebige  Artbegriff  ungezwungen,  und  nicht  auf
bloße  „Ähnlichkeiten“  hin,  auf  alle  anderen  führen  kann!^  Um
es  nur  sprunghaft  anzudeuten,  kommt  man  etwa  von  „König  auf
„Staat“,  von  da  auf  „Bürger“,  von  da  auf  „Familienvater“,  auf  „Haushalt“, ­
  auf  „Unternehmung“,  auf  „Genossenschaft“,  auf  „Verwaltung“,
und  zurück  auf  „Staat“  und  „König“;  worauf  man  in  jeder  beliebigen
Richtung  die  Rundreise  von  neuem  antreten  könnte,  nun  etwa  über
„Steuer“,  „Zoll“,  „Preis“,  „Lohn“,  „Gehalt“,  „Zivilliste“.  Und  so  von
jedem  beliebigen  Punkte  aus.  Die  Verbindung  ist  immer  ungezwungen,
und  in  einem  allertiefsten  Sinne  da.  Denn  in  letzter  Linie  steckt  auch
hier  der  Allzusammenhang  des  erlebten  Geschehens  dahinter: ­
  Jener  Allzusammenhang,  der  wohl  gedachte  Pole  besitzt,  z.  B.
Not  und  Macht,  sobald  man,  gewisser  Vorarbeiten  halber,  nur
die  seitlichen  Zusammenhänge  ins  Auge  faßt;  der  aber  als  Zusammenhang ­
  kein  „vorn“  und  kein  „hinten“,  kein  „oben“  und  kein  „unten“,
keine  „Spitze“  und  keine  „Basis“  kennt.  So  zwar,  daß  es  geradeaus
a ls  ein  Verstoß  gegen  Gemeinplätze  erscheinen  muß,  wenn  man  wähnt,
diesen  Allzusammenhang  von  einer  bestimmten  Richtung  her  auflösen
zu  müssen,  um  ihn  richtig  aufgelöst  zu  haben.  Was  ergäbe  nun  eine
solche  „bestimmte“  Richtung?  Ach  wahrhaftig,  das  „Wirtschaftliche 4  ;
denn  etwas  zureichender  „Bestimmtes“  ist  gar  nicht  denkbar.  Nach
dem  Obigen  läuft  zwar  ein  kleiner  Fehler  gegen  Adam  Riese  unter;
trotzdem  kann  unter  diesen  zwingenden  Umständen  nicht  der  geringste
Zweifel  bestehen,  daß  die  ganze  Welt  des  Handelns  auf  der  „Basis  des
Wirtschaftlichen“  ruhe.  Dies  nur  nebenbei;  so  nahe  es  liegt,  daß  alle
diese  Verkennungen  sich  gegenseitig  bedingen,  und  die  ganze  Wörterei
n ur  Ein  Rattenkönig  der  Irrungen  ist.
Dieser  Wechselbezug  vor  allem  erleichtert  es  unserem  Denken
lm  Rahmen  der  schildernden  Wissenschaft,  sich  vor  dem  Worte
zu  erniedrigen.  Man  spricht  sich,  im  mehr  oder  minder  buchstabierenden ­
  Denken,  munter  von  Wort  zu  Wort  und  baut  auf  diese
bequeme  Weise  sein  Kartenhaus  von  System.  Scheinbar  ist  dann  von
dem  Flechtwerk,  als  das  sich  unserem  Geiste  das  Menschheitsleben
darstellt,  ein  Gedankenbild  abgehoben.  Für  die  Welt  des  Handelns
            
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