^86 »Die Grenzen der Geschichte“,
und Mensch zueinander gehören. Soll dies richtig sein, dann darf
man gewiß nicht an die biologische Spezies „Mensch“ denken. Denn
diese schließt ja im wesentlichsten Sinne alles Variierbare und Eli
minierbare in sich. Rein nur als Repräsentant des logisch
zusammenhängenden, des „vernünftigen“ Geschehens
ist der Mensch unzertrennlich von der Geschichte;
sagen wir, als Vernunftwesen pur et simple, als bloßer Knoten
punkt — „Subjekt“ — des vernünftigen, vom Boden der Denkgesetze
aus erfaßlichen Geschehens.
Hier ist nun der Punkt erreicht, bei dem die
Kritik einsetzen kann. Ihre Spitze richtet sich zunächst gegen
die dialektische Begründung der landläufigen „Lösung“ unseres
Problemes. Denn von dem Satze, daß Geschichte und Mensch zu
einander gehören, geht ja die Argumentation aus, die jener
„Lösung“ im stillen zu unterliegen scheint. Es heißt da
ungefähr: „Zur Geschichte gehört der Mensch; also beginnt die Ge
schichte dort, wo der Mensch auftritt.“ Rechnet man nach dem bloßen
Wortlaut, dann wäre diese Schlußfolge so einwandsfrei als irgendeine,
und so kommt der Eindruck zustande, daß für jene „Lösung“ die
platteste Logik zu sprechen scheint. Wir sind aber jetzt in der Lage,
die Verhältnisse etwas genauer zu prüfen.
Gültig ist die Argumentation nur dann, wenn erstens die Prämisse
richtig gedacht ist. Zweitens dürfte der entscheidende Ausdruck
„Mensch“ auch in der Folgerung keinen anderen Sinn beanspruchen
als den, der ihm nach der richtig gedachten Prämisse zufällt. Das
heißt also, da wie dort müßte man unter dem Ausdruck „Mensch“
das Vernunftwesen pur et simple meinen. Da zeigt sich nun, daß die
Argumentation, sobald sie in diesem richtigen Sinn verstanden wird,
auf einen Gemeinplatz hinausläuft. Sie stellt einfach fest, daß die
Geschichte zugleich mit der Existenz eines Vernunftwesens beginnt.
Man braucht aber nur die spezifische Natur des historischen Geschehens
in Rücksicht zu nehmen, und dann versteht es sich von selbst, daß
die Grenzen der Geschichte, um es bildlich auszudrücken, die Ge
burt der Logik im Geschehen bedeuten würden: was dasselbe
sagt, den virtuellen Geltungsbeginn der logischen Denkgesetze.
Ein eigentümlicher Widerspruch tritt uns da entgegen. Faßt man
jene Argumentation nach ihrem richtigen Sinn auf, dann führt sie zu
gar keiner eigentlichen Lösung des Prpblems. Sie führt
bloß zu einer Umschreibung der Grenzen der Geschichte, die als
solche dabei immer noch Problem bleiben. Auf der anderen Seite ist
es doch wieder der Wortlaut dieser Argumentation, was uns die land-