Anhang, IX.
397
zu sein. Es ist dies ein Beginnen, das sich zugleich mit der landläufigen
Lösung verurteilen würde, das aber jedenfalls ein Abweichen von dem
Standpunkte in sich schließt, von dem aus die metahistorischen Ergebnisse
allein ernst zu nehmen sind. Denn es sieht dann gerade so
aus, als ob die ganze metahistorische Erkenntnis nur den Sinn hätte,
den Unterbau der Geschichte zu liefern, die als Krönung des ganzen
metahistorischen Systemes erschiene. Man sieht, hier erliegt die Naturwissenschaft
gerade dabei einer anthropozentrischen Anwandlung,
daß sie uns um jeden Preis jener harmlosen, aber unerschütterlichen
Sonderstellung berauben will, die Träger und wechselseitigen
Bürgen der empirischen Wirklichkeit zu sein. Sie will uns daher auch
in unserer Eigenschaft als Akteure der Geschichte, als Kinder des
Schicksals, mit unserem ganzen Tun und Leiden in ihr Erkenntnisbereich
einzwängen, in das einmal nichts anderes gehört als das „Werkzeugtier“,
jener Hampelmann kausalen Gezappels, den wir in naturwissenschaftlicher
Auffassung vorstellen. Hier verrät es sich übrigens,
daß die landläufige „Lösung“ auch jene rationalistische Neigung, in
Sachen der Erkenntnis alles über einen Kamm zu scheren, zum
Bundesgenossen hat.
Die Grenzen der Geschichte hätten endlich noch die Bedeutung
einer Geburt der Logik im Geschehen. Auch in dieser Hinsicht
versagt das naturwissenschaftliche Gegenstück. Dieser virtuelle
Geltungsbeginn der logischen Denkgesetze ist im wesentlichsten Sinne
so gemeint, daß ein geschlossener Geschehenszusammenhang, der uns
vom Boden der logischen Denkgesetze aus erfaßlich ist, von irgendeiner
Stelle an diese Erfaßlichkeit verliert; daß dort also in irgendeiner
Weise die logische Natur der Zusammenhänge erlischt.
Nun ist es wahr, erst mit dem Auftauchen des „Werkzeugtieres“ hübe
die gattungsmäßige Existenz dessen an, was uns als naturwissenschaftliches
Gegenstück des Vernunftwesens der Geschichte gelten darf; und
so auch die gattungsmäßige Existenz jener Lebensäußerungen, in denen
das vernünftige Geschehen sein Gegenstück findet. Der Übergang
jedoch, der von andersgearteten Lebensäußerungen zum Gegenstück
des vernünftigen Geschehens hin vermittelt, vollzieht sich beim Auftauchen
des „Werkzeugtieres“ wohl im Sinne des Erstmaligen, aber
nicht des Einmaligen. Er wiederholt sich bei jedem Exemplar
der Gattung, wenn auch unter geänderten kausalen Verhältnissen, und
bei jedem Exemplar erfolgt auch seine Umkehrung: der Übergang in
ein Geschehen, das nicht mehr ein Gegenstück vernünftigen Geschehens
J st, das Umkippen der Lebensäußerungen in die Vorgänge der körperlichen
Zersetzung, beim Tode. Was also da vorliegt, ist nur das