Full text : Wirtschaft als Leben

Der  Stoff  der  Sozialwissecschaft,  Vorbemerkung.

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„GeistesWissenschaften“  getragen,  die  zur  landläufigen  Orientierung  über
alle  Verhältnisse  unseres  Erkennens  geworden  ist;  und  zwar  für  unsere
Zeit  in  der  Nachfolge  Wilhelm  Wundts,  dessen  eindrucksvolle  Gedanken ­
  dabei  aber  in  einer  bedenklichen  Verflachung  populär  geworden
sind.  Wahrhaft  konsequent  ist  auf  dem  Boden  jener  herrschenden  Auffassung ­
  doch  nur  der  Positivismus,  wenn  er  unseren  Wissenschaften
zwar  eine  höhere  Stufe  in  der  ansteigenden  Komplikation  der  Erfahrungselemente ­
  zugesteht,  sie  im  übrigen  jedoch  den  Naturwissenschaften ­
  beizählt.
Wie  unbrauchbar  der  Gegensatz  von  „Natur“  und  „Geist“  dafür
ist,  um  die  Wissenschaften  so  zu  ordnen,  daß  uns  zugleich  die  Verhältnisse ­
  des  wissenschaftlichen  Denkens  klar  werden,  das  hat  Rickert
überzeugend  dargelegt.  Er  selber  läßt  keinen  anderen  Gegensatz  gelten
als  jenen  zwischen  den  Zielen  der  Erkenntnis.  Darin,  daß  unsere
Wissenschaften  ausschließlich  mit  dem  Plandeln  und  Leiden  und  ihren
Relationen  zu  tun  haben,  sieht  auch  Rickert  nur  eine  sachliche
Trennung  im  Objekt.  Denn  nach  Rickert  wäre  unseren  Wissenschaften
die  „Kultur“  als  Objekt  eigentümlich.  Wenn  sich  nun  der  „Kultur“
die  „Kulturwerte“  verknüpfen,  so  stünde  dies  wohl  im  Einklang  damit,
daß  alle  Erkenntnis,  die  sich  dem  Besonderen  zuwendet,  notwendig
Probleme  der  „Wertung“  in  sich  schließt.  Um  konsequent  zu  bleiben,
muß  aber  Rickert  solche  „Wertprobleme“  auch  in  Wissenschaften
hineinlegen,  die  von  den  unseren  ganz  unverkennbar  abstehen,  ob  man
nun  nach  „Objekten“  oder  nach  „Stoffen“  unterscheidet.  Daher
müssen  sich  auch  dem  Objekte  dieser  Wissenschaften,  z.  B.  der
historischen  Geologie,  „Wertungen“  verknüpfen  lassen,  grundsätzlich
nicht  anders  als  der  „Kultur“.  In  dieser  Weise  verliert  es  für  die  Ansicht ­
  Rickerts  alle  prinzipielle  Bedeutung,  wenn  unsere  Wissenschaften ­
  das  Handeln  und  Leiden  so  auffällig  in  den  Vordergrund
rücken.
Es  zeichnet  die  Stellungnahme  Max  Webers  aus,  daß  er  diesen
Tatbestand  doch  ungleich  ernster  nimmt.  Er  verweist  mit  Nachdruck
darauf,  daß  wir  es  überallhin  mit  „verständlichem  Handeln  zu  tun
hätten,  daher  die  Kategorie  des  „Verstehens“  unausweichlich  von  Einfluß ­
  auf  die  Denkweise  und  wohl  auch  auf  die  Begriffsbildung  werden
muß.  Von  da  aus  bleibt  eigentlich  nur  mehr  ein  kleiner  Schritt  zur
Anerkennung,  daß  gerade  unsere  Wissenschaften  noch  einen  weiteren
grundsätzlichen  Gegensatz  der  Erkenntnis  in  Sehweite  rücken.
Von  meiner  Seite  aus  komme  ich  in  diesem  und  im  folgenden
Aufsatz  der  Ansicht  Webers  ganz  wesentlich  entgegen.  Dies  geschieht
im  Wege  einer  Art  Rückbesinnung  auf  meine  ursprünglichen  An ­
            
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