Full text : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  II.

29

„—  Besonders  auffällig  ist  die  Enge  der  Auffassung  in  der  Lehre  vom
Werte.  Man  hat  nach  der  Ursache,  nach  dem  Ursprünge  des  Wertes  gefragt.
Man  hat  darauf  die  Antwort  gegeben,  der  Wert  entstehe  nur  aus  der  Arbeit,
ja  sogar  aus  einer  besonderen  Art  von  Arbeit.  Es  wurde  behauptet,  die
Arbeit  allein  habe  Wert,  allen  Gütern  komme  die  Qualität  des  Wertes  nur
nach  Maßgabe  des  Quantums  an  Arbeit  zu,  welches  zu  ihrer  Erzeugung  notwendig ­
  gewesen.  Nun  ringt  sich  allmählich  die  Überzeugung  durch,  daß  der
Wert  nicht  nach  dem  Quantum  der  auf  das  Gut  verwendeten  Arbeit  dem
Gute  anhafte  und  es  im  Grunde  für  den  Wert  des  Gutes  gleichgültig  sei,
ob  viel  oder  wenig  Arbeit  dazu  verwendet  worden.“
(v.  Gans-Ludassy,  „Wirtschaftl.  Energie“,  93,  S.  292.)
,,—  Viel  tiefer  gehen  in  die  Wertlehre  die  Sozialisten  ein,  welche
(Proudhon,  Karl  Marx,  Lassalle)  dem  Werte  eine  dominierende  Stellung  für
die  Wissenschaft  anweisen!  —  Die  Ergründung  des  Wertes  ist  sogar  die
dankbarste  Aufgabe  der  Nationalökonomie.“
(Schäffle,  Gesellschaftl.  System  I,  163.)
„Auf  dem  Gebiete  der  wissenschaftlichen  Forschung  über  den  Wert  hat
sich  in  neuester  Zeit  eine  Klärung  der  Ansichten  ergeben,  welche  als  die
Voraussetzung  für  die  endliche  Entschleierung  des  bisher  ungelösten  Rätsels
vom  Werte  anzusehen  ist.“  (v.  Komorzynski,  a.  a.  O.  im  Vorwort.)

„Ich  bin  der  Meinung,  daß  dieses  Rätsel  längst  gelöst,  —  daß  das
Problem  des  Wertes  seine,  zwar  in  Einzelheiten  mangelhafte,  im  großen  und
ganzen  aber  befriedigende  endgültige  und  unangreifbare  Beantwortung  durch
Ricardo  gefunden  hat.“
(Dietzel,  D.  klass.  Werttheorie  usw.  Hild.  Conr.  JB.  90,  S.  562.)

Wie  man  bemerkt,  können  sich  sogar  entschiedene  Widerspruche
in  genau  der  gleichen  Form  bewegen.  Außer  Streit  und  ohne  Widerspruch ­
  dürfte  übrigens  kaum  eine  unter  diesen  Aussagen  geblieben  sein.
Einen  grundsätzlichen  Anstoß  aber  nimmt  niemand  daran.  Nun
erweisen  sich  jedoch  alle  diese  Aussagen  nur  dann  von  Sinn  und  Verstand, ­
  sobald  man  ihnen  den  fraglichen  Gedanken  als  eine  stille  Voraussetzung ­
  unterschiebt.  Jede  einzelne  unter  ihnen  wird  deshalb  zum
Beweis  dafür,  daß  innerhalb  der  sogenannten  Wertlehre  wirklich  im
Einklänge  mit  dem  fraglichen  Gedanken  gedacht  wird,  obzwar  dieser
für  sich  selber  das  Ungedachte  bleibt.
Soweit  der  Beweis  an  der  Hand  ausdrücklicher  Belege.  Die
schlagendste  Beweisführung  aber,  die  sich  hier  eröffnet,  bedarf  gar
keiner  Belege.  Denn  sie  fußt  auf  einer  Tatsache  auf,  die  ohnehin
jedermann  in  die  Augen  springen  muß,  der  auch  nur  den  flüchtigsten
Einblick  in  die  „Wertlehre“  tut.  Dieser  Tatsache  ist  schon  in  der
            
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