Full text : Wirtschaft als Leben

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,Zur  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung“,

Kausalerklärung  hier  schließlich  den  Erfolg,  daß  wir  es  auf  den  Zusammenhang ­
  im  Geschehen  zurückführen,  wie  diese  Einheiten  für  ihren
eigenen  Teil  sowohl,  als  auch  neben-  und  ineinander  beharren,  womit
uns  allenthalben  die  Wiederkehr  im  Geschehen  verständlich  wird.
Soviel  über  die  Kompositionsprinzipien  der  Sozialwissenschaft, ­
  die  eben  in  einer  spezifischen  Art  der  Kausalerklärung  beruhen. ­
  Hiermit  ist  die  erkenntnistheoretische  Konstruktion  unserer
Wissenschaft  schon  vollzogen!  Vielleicht  kostet  es  Mühe,  die  Sozialwissenschaft, ­
  wie  man  sie  zu  kennen  glaubt,  in  dieser  Konstruktion
wiederzuerkennen.  Man  kennt  sie  eben  nur  empirisch,  in  jener  krausen
Gestalt,  die  sie  zuliebe  von  hunderterlei  Interessen  angenommen  hat,
Interessen  des  Lebens,  des  Unterrichts,  der  Forschung,  des  Nachbarverhältnisses ­
  zu  anderen  Disziplinen  usw.  Aber  gerade  diese  empirische
Gestalt  unserer  Wissenschaft  ist  für  die  Methodologie  von  wenig
Interesse;  die  Methodologie  hat  sich  auch  nicht  um  die  Gliederung
dieser  Wissenschaft  zu  kümmern,  so  lange  sie  der  fundamentalen  Frage
nachgeht,  wie  sozialwissenschaftliche  Erkenntnis  überhaupt  möglich  ist.
Alle  Unterteilung  dieser  Wissenschaft  erscheint  demgegenüber  sekundär,
gleichgültig,  ob  man  mehr  eine  Frage  der  Zweckmäßigkeit  darin  sieht,
hinsichtlich  der  Arbeitsteilung,  die  in  der  Forschung  nötig  wird  (Max
Weber),  oder  diese  Unterteilung  aus  ganz  prinzipiellen  Erwägungen  herzuleiten ­
  sucht  (Othmar  Spann).
Man  sieht,  die  Antwort  auf  die  Frage,  wie  Sozialwissenschaft
möglich  ist,  fällt  ganz  anders  aus,  als  man  sonst  wohl  den  Daseinsgrund ­
  unserer  Wissenschaft  sich  zurechtlegt.  Danach  gäbe  es  unter
den  „Erscheinungen“  auch  solche,  die  sich  auf  dies  und  jenes  hin  als
„soziale  Erscheinungen“  qualifizieren;  dieser  Sondergruppe  von  „Erscheinungen“ ­
  würde  nun  unsere  Wissenschaft  ähnlich  so  gerecht,  wie
etwa  die  Physik  die  „physischen  Erscheinungen“  erledigt.  Einfach  ist
diese  Lösung  wohl;  richtig  daran  ist  nur  soviel,  daß  wir  tatsächlich ­
  in  einem  bestimmten  Sinne  vom  „Sozialen“  zu
sprechen  wissen.  Es  liegt  aber  dieser  Möglichkeit,  aus  der  Fülle
der  Gegenstände  unseres  Denkens  das  „Soziale“  herauszuheben,  keineswegs ­
  eine  sachliche  Trennung  im  Objekt  zugrunde.  Wenn  wir  das
„Soziale“  überhaupt  von  etwas  anderem  zu  unterscheiden  wissen,  so
vollzieht  sich  dies  als  die  —  recht  entwickelte  —  Funktion  einer
ganz  bestimmten  Denk-  und  Betrachtungsweise,  jener
nämlich,  die  sich  zur  Sozialwissenschaft  läutert.  Aber  sie  ist  uns  natürlich ­
  schon  vorher  geläufig  und  bleibt  dies  auch  unabhängig  von  ihrer
Läuterung,  so  zwar,  daß  wir  auch  ungeachtet  der  Sozial  Wissenschaft
vom  „Sozialen“  zu  sprechen  wissen.  Auch  dann  unterliegt  eine
            
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