Full text : Wirtschaft als Leben

Geschichte  und  Sozialwissenschaft.

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Setzungen  sei.  Man  glaubt  dann  eben,  es  sei  für  alle  Wissenschaften
blind  selbstverständlich,  über  das  Allgemeine  hinaus  nach  der  Erkenntnis
der  „Gesetze“  zu  trachten.  Hier  unterläuft  vielleicht  auch  ein  stiller
Bezug  auf  die  „allgemeinbegriffliche“  Natur  unseres  Denkens.  Aber
die  Bindung  an  Allgemeinbegriffe,  der  sich  ja  selbst  die  Idiographie
nicht  entzieht,  sowie  die  Arbeit  mit  Allgemeinbegriffen,  das  ist  immer
noch  etwas  ganz  anderes  als  das  nomothetische  Verfahren.  Genau
so,  wie  das  idiographische  Verfahren  erst  dann  recht  wirklich  wird,
sobald  man  vom  Sonderbegriff  zur  Individuation  fortschreitet,  so  gibt
auch  für  das  nomothetische  Verfahren  noch  nicht  der  Allgemeinbegriff,
sondern  erst  das  Fortschreiten  zum  „Gesetz“  den  Ausschlag.  Ob  nun
dergleichen  innerhalb  der  Sozialwissenschaft  überhaupt  möglich  ist,  ist
durchaus  problematisch,  solange  man  nicht  den  Voraussetzungen
des  Verfahrens  nachgeht,  und  dann  untersucht,  ob  sie  in  der
Sozialwissenschaft  zutreffenl  Erst  darüber  hinaus  führt  der
Weg  zur  Entscheidung,  ob  und  in  welchem  Sinn  man  von  „sozialwissenschaftlichen ­
  Gesetzen“  reden  darf.  Die  Voraussetzungen,  das
soll  sich  zeigen,  treffen  wohl  zu.  Aber  es  kann  nicht  wundernehmen,
daß  sich  auch  das  nomothetische  Verfahren,  wird  es  innerhalb  der
Sozial  Wissenschaft  angewendet,  ganz  spezifisch  gestaltet  1  Dies
prägt  sich  insbesondere  in  einer  eigentümlichen  Begriffsbildung ­
  aus,  die  am  Werke  ist,  wo  sich  etwas  den
„Gesetzen“  Analoges  darbieten  läßt:  es  handelt  sich  um
jene  Begriffsbildung,  die  Max  Weber  als  die  „idealtypische“
formuliert  hat.  In  ihr  kulminiert  die  Eigenart  sozialwissenschaftlicher
Begriffsbildung  überhaupt.
            
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