Full text : Wirtschaft als Leben

622

.Freiheit  vom  Worte“,

„Güterlehre“  zu  reden,  und  wird  nicht  müde,  ihn  besonders  gern  in
der  Richtung  jener  oberflächlichen  Redensart  vom  „Gebrauchswert“
zu  suchen,  die  gerade  Adam  Smith  so  erquicklich  geringschätzig
beiseite  schob,  was  ihm  aber  zum  Ruhm  eines  Schöpfers  der  „grundlegenden ­
  Unterscheidung  des  Wertes“  verholfen  hat,  o  jal  Sinnvoll
aber  ist  dieses  Haschen  nach  dem  „Allpreisgrund“  überhaupt  nur
dann,  wenn  sich  aller  Zusammenhang  der  Wirtschaft  „atomistisch“
auflöst  in  ein  System  tauschmäßig  gegeneinander  spielender,  in  Geldoder ­
  Lustgewinnabsicht  vollzogener  Handlungen;  kurz,  wenn  man
unter  dem  Druck  der  „klassischen“  Auffassung  in  aller  Wirtschaft
eitel  Erwerb  sieht.
Neuerdings  wird  eine  sogenannte  „wertfreie“,  das  ist  auf  die
Werthypothese  verzichtende  Nationalökonomie  unter  den  Theoretikern
zur  Mode.  Nur  sehr  bedingt  gereicht  dies  dem  zur  Genugtuung,  der
schon  vor  fünfundzwanzig  Jahren  dem  Wertwahn  öffentlich  abgesagt
hat.  Denn  hier  wird  keineswegs  der  steile  Weg  der  Selbstbesinnung
beschritten,  der  unmittelbar  herausführt  aus  der  Enge  jener  rückständigen ­
  Auffassung.  Man  handhabt  das  bequeme  Aushilfsmittel  der
„glücklichen  Inkonsequenz“.  Durch  sie  überschlägt  sich  das  grundsätzlich ­
  falsch  eingestellte  Denken  nach  dem  Richtigen  zurück;  man
treibt  also  „Purzelbaumerkenntnis“.  Für  die  „Güterlehre“  hat  das
„Wertfreie“  den  Sinn,  daß  sie  vorläufig  dort  ein  Loch  bekommt,  wo
es  inzwischen  gar  zu  auffällig  geworden  ist,  daß  etwas  „nicht  stimme“.
Für  die  Theorie  als  Ganzes  sieht  sich  die  Sache  anders  an.  Auf  der
schiefen  Bahn  der  Inkonsequenzen  gleitet  unsere  Theorie  vorerst  in
noch  tiefere  Zerfahrenheit  hinab.  Das  Durcheinander  der  Wertgläubigen ­
  steigert  sich  eben  noch  durch  die  Wertverächter.  Möglich,
sogar  wahrscheinlich,  daß  auch  hier  die  Erlösung  sich  nahe,  ist  nur
erst  das  Chaos  da.  Vielleicht  würde  die  Läuterung  der  nationalökonomischen ­
  Theorie  schließlich  auch  im  Wege  dieser  Inkonsequenzen ­
  eintreten;  sie  könnte  sich  sozusagen  einschleichen,  im  Sinne
eines  langsamen  Abstreifens  schlechter  Gewohnheiten.  Es  liegt  aber
kein  Grund  vor,  dieser  tröstlichen  Aussicht  zuliebe  den  Kampf  um
die  Selbstbesinnung  abzubrechen.  Nur  der  Schluß  läßt  sich  daraus
ziehen,  aus  diesen  Anzeichen  vom  Eintritt  eines  unbewußten  Läuterungsprozesses ­
  der  Theorie  selber,  daß  es  wirklich  um  gar  nichts  Großes
mehr  sich  dreht.  Bloß  um  einen  letzten  Gnadenstoß.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.