Full text : Wirtschaft als Leben

708

„Vom  Wirtschaftsleben  und  seiner  Theorie“,

wieder  zurückerborgt,  in  Gestalt  der  sogenannten  „organischen  Analogie“. ­
  Das  Gebilde  der  Schicksalswelt  ist  kein  Organismus,  kein  Lebewesen ­
  mit  seinen  Rätseln,  weder  ein  höheres  noch  sonst  eines;  ebensowenig, ­
  wie  es  ein  Mechanismus  wäre,  ein  bloßes  Gliederwerk,  eine
bloße  Leistungsgestaltung.  Es  ist  ein  Stück  echtes  Leben,  aber  im
klar  durchschaubaren  Sinn  gestalthaft  verbürgter  Dauer.
Die  Schicksalswelt,  als  Totalität  des  erlebten  Lebens,  ist  erfüllt  von
eitel  solchen  Gebilden,  hinter  denen  erst  noch  der  Reichtum  des  persönlichen ­
  Lebens  quillt  und  sprudelt.  Immer  kommt  es  ja  darauf  an,
wie  die  verschiedenen  Stellungen  im  Gliederbau  der  Gebilde  ausgefüllt
werden  durch  Personen.  Im  Bering  des  Unternehmens,  beispielsweise,
bauen  lebenswichtigste  Dienste  gemeinsam  an  der  „Unternehmerstellung“. ­
  Diese  kann  eine  einzige  Person  ausfüllen,  ebensogut  ein
selber  schon  gestalthaft  ausgebauter  Kreis  von  Personen.  Im  Wege
dieser  Ausfüllung  aller  seiner  und  oft  zahlreichen  Stellungen,  ergießt
sich  gleichsam  persönliches  Leben  ins  Gebilde;  oder  anders  gesehen,
von  da  aus  stürzt  das  völlig  durchschaubare  erlebte  Leben  immer  schon
in  die  abgründige  Tiefe  des  persönlichen  Lebens  ab.  Jedenfalls  steht
für  das  lebenstheoretische  Denken  immer  der  ganze  Mensch  im  Blickfeld, ­
  keine  bloße  Marionette,  kein  bloßer  homo  oeconomicus,  kein
business  man,  kein  Hampelmann  des  Erwerbs.  Aber  das  Individuum
als  Person  steht  nur  peripherisch  im  Blickfeld,  denn  im  Blickpunkt
verharren  die  Gebilde.  Sozialwissenschaft  entfaltet  das  persönliche
Leben  immer  nur  in  dem  Ausmaße,  als  sich  jeder  von  uns  im  Zusammenleben ­
  selber  erlebt;  daher  auch  der  Ausdruck  für  den  Vorwurf
dieser  Wissenschaft:  „erlebtes  Leben“.  Dahinter  erst  birgt  sich  die
eigentliche  Domäne  des  ichbej  ah  enden  Lebens.
Aber  diese  Lebenswirklichkeiten  der  Schicksalswelt,  die  Gebilde,
überkreuzen  sich  nicht  bloß  mit  dem  persönlichen  Leben,  sie  überschneiden ­
  sich  auch  untereinander  und  überdecken  sich  vielfach;  und
auch  damit  nesteln  sich  schwer  auflösbare  Verwicklungen  zusammen.
Die  Schicksalswelt  zeigt  eben  nicht  bloß  ein  beziehungsreiches  Nebeneinander ­
  der  Gebilde,  sondern  auch  ihr  buntfältig  Mit-  und  Ineinander.
Umschlossene  Gebilde,  ich  nenne  sie  „Ingebilde“,  gliedern  sich  umschließenden ­
  Gebilden  ein,  den  „Umgebilden“.  So  kann  z.  B.  eine
Unternehmung,  als  Ingebilde,  einem  Konzern  oder  einem  Kartell  eingehängt ­
  sein,  zugleich  gliedert  sie  sich  ihrer  Branche  ein,  mit  dieser
dem  ganzen  Industriekörper  einer  Volkswirtschaft  und  so  dieser  selbst,
gleichwie  sich  die  Volkswirtschaft  noch  mehrfach  und  abgestuft  weltwirtschaftlichen ­
  Umgebilden  einfügt.  Auf  allen  Stufen  dieser  Eingebundenheit ­
  laufen  die  Zusammenhänge  noch  zwischen  den  gleich-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.