Eine andere Methode beruht auf der Mischungswärme mit kon-
zentrierter Schwefelsäure. Gießt man zu einigen ccm reinem Leinöl-
firnis vorsichtig die gleiche Menge konzentrierte Schwefelsäure und
mischt die Flüssigkeiten durch Umrühren mit einem Thermometer
(200°), so sieht man, daß durch die entsprechende Mischungswärme
die Temperatur rasch sehr hoch steigt, vielfach um etwa 100° und
mehr. Wiederholt man dieses Verfahren mit reinem Mineralöl, so
zeigt sich, daß hier die Mischungswärme sehr gering ist und die Tem-
peratur kaum, höchstens um 5 bis 10° ansteigt. Prüft man nun auf
diese Weise einen Firnis, der mit Mineralöl versetzt ist, so. wird
durch diesen Verschnitt die Temperatur nicht so hoch ansteigen wie
bei reinem Firnis, je nach der Verschnittmenge vielleicht nur um 70
oder 60°, Diese Prüfung hat aber den Nachteil, daß sie außerordent-
lich exakt und gleichmäßig vorgenommen werden muß, da sich bei
Anwendung verschiedener Mengen Firnis und Schwefelsäure beim
Mischen natürlich auch verschiedene Wärmemengen entwickeln wer-
den. Man geht am besten so vor, daß man zunächst eine „blinde
Probe” ausführt, d. h. zu einer bestimmten Menge von garantiert rei-
nem Firnis genau die gleiche Menge konzentrierter Schwefelsäure
(vielleicht je 4 oder 5 ccm) zugibt und den Temperaturanstieg beim
Mischen feststellt, Bei Prüfung anderer Firnisse muß man dann stets
genau die dem ersten Versuch entsprechenden Mengen Firnis und
Säure anwenden, um einen einwandfreien Vergleichswert zu erhalten.
Aber auch hier soll man nur bei krassen Unterschieden auf Verfäl-
schungen schließen, da kleine Differenzen bei der Verschiedenartig-
keit der Firnisfabrikation und durch geringen Gehalt an ‚Sikkativ
usw, immer auftreten können. Außerdem ist der Umgang mit kon-
zentrierter Schwefelsäure nicht ungefährlich und man muß sehr vor-
Sichtig vorgehen, um ein Spritzen zu vermeiden,
Fast noch schwieriger ist die Prüfung auf Harz, Eine einfache
qualitative Prüfung kommt ja auch nur in Frage bei einem Firnis, der
als garantiert harzfrei geliefert ist (z. B. Alberdingk-Firnis), denn es
ist als handelsüblich anerkannt, daß ein als garantiert rein gelieferter
Firnis bis zu 5 % Resinat enthalten darf, wodurch natürlich ebenfalls
eine Reaktion auf Harz hervorgerufen wird, so daß man dann irrtüm-
lich auf eine Verfälschung schließen könnte, Es sind uns auch hier
einige sogenannte einfache Prüfungsmethoden genannt worden, So
Soll z, B. ein harzhaltiger Firnis, der mit Salzsäure geschüttelt wird,
einen schleimigen Bodensatz absondern, oder mit Salpetersäure ge-
Schüttelt, sich dunkelbraun bis schwarzbraun färben, während ein
harzfreier Firnis dabei hell bleiben soll. Diese Reaktionen sind als
außerordentlich zweifelhaft zu bewerten und können bei verschie-
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