Full text : Die Kaufkraft des Geldes

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IV.  Kapitel.

des  Depositenumlaufs  eine  Schranke  setzen,  und  die  eine  Tendenz  zu  seiner
Einschränkung  einleiten.  Der  Höchstbetrag  der  Depositenumlaufsmittel  ist
nicht  nur  durch  das  Gesetz  und  durch  Klugheit  auf  ein  gewisses  Vielfaches
des  Betrages  der  Bankreserven  beschränkt,  sondern  die  Bankreserven  selbst
sind  durch  den  Geldbetrag  der  zu  Reservezweeken  verfügbar  ist,  auf  eine
gewisse  Höhe  beschränkt.  Ferner  beginnt  mit  dem  Steigen  des  Zinses  der
Kurs  gewisser,  als  Sicherung  hinterlegten  Wertpapiere,  wie  z.  B.  der  Obligationen, ­
  auf  Grund  deren  Anleihen  gemacht  wurden,  zu  fallen.  Solche
Effekten,  deren  Preis  in  dem  diskontierten  Werte  fixer  Summen  beruht,  fallen,
wenn  der  Zins  steigt,  und  sie  können  daher  nicht  als  Sicherheit  für  Anleihen
in  demselben  Umfange  als  zuvor  benützt  werden.  Diese  Hemmung  der  Anleihen ­
  ist,  wie  vorher  erklärt,  auch  eine  Hemmung  für  Depositen.
Wer  damit  gerechnet  hatte,  seine  Anleihen  zu  den  früheren  Sätzen  und
in  der  früheren  Höhe  zu  erneuern,  ist  nach  der  Erhöhung  des  Zinsfußes  außerstande, ­
  dies  zu  tun.  Es  folgt  daraus,  daß  einige  von  ihnen  genötigt  sind,
ihre  Zahlungen  einzustellen.  Der  Konkurs  (oder  die  Voraussicht  eines
solchen)  von  Firmen,  welche  von  Banken  stark  geborgt  haben,  führt
seitens  vieler  Deponenten  zu  der  Befürchtung,  daß  die  Banken  nicht
imstande  sein  werden,  diese  Anleihen  einzubringen.  Die  Banken
kommen  daher  selbst  in  Verdacht,  und  die  Deponenten  verlangen  aus
diesem  Grunde  Bargeld.  Dann  kommt  es  zu  „Runs“  auf  die  Banken,
welche  die  Bankreserven  gerade  in  dem  Augenblick  erschöpfen,  wo  sie
am  notwendigsten  gebraucht  werden  1 ).  Die  nicht  hinreichend  mit
Reserven  versehenen  Banken  müssen  nun  ihre  Anleihen  einschränken.
Jetzt  ist  der  Zeitpunkt  gekommen,  wo  der  Zinsfuß  die  Höhe  der
Panik  erreicht.  Diejenigen  Unternehmer,  welche  betroffen  werden,
müssen  Umlaufsmittel *  2 )  haben,  um  ihren  Verbindlichkeiten  nachkommen
zu  können,  und  um  sie  zu  erhalten,  sind  sie  bereit,  hohe  Zinsen  zu  zahlen.
Einige  von  ihnen  geraten  in  Konkurs,  und  mit  ihrem  Bankerott  vermindert
sich  die  Nachfrage  für  Anleihen  in  entsprechendem  Maße.  Diese  Kulmination ­
  einer  Preisbewegung  nach  aufwärts  ist  eben  das,  was  man  Krisis  3 )

!)  Ein  Teil  der  Mer  dargelegten  Theorie  über  Krisen  wurde  in  ähnlicher  Weise  in
einer  Schrift  von  Harry  G.  Brown,  Yale  Review,  August  1910,  unter  dem  Titel  „Typical
Commercial  Crises  versus  a  Money  Panic“  erklärt.
2 )  Irving  Fisher,  Rate  of  Interest,  S.  325  und  326.
3 )  Dies  ist  die  von  Juglar  gegebene  Definition  einer  Krisis,  und  seine  im  Detaü  ausgeführte
  Geschichte  der  Krisen  entspricht  der  Beschreibung.  Siehe  Juglar,  Des  Crises
Commerciales  et  de  leur  Retour  piriodigue  en  France,  en  Angleterre  et  aux  Etats-Unis.
2.  Auf!.,  Paris  (Guillaumin),  1889,  S.  4  und  5.  Vgl.  auch  die  Übersetzung  des  die  Ver ­
            
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