12. Wasserversorgung.
F ür die Wasserversorgung auf Formosa wurden früher ausschließlich
Flachbrunnen und Flüsse benutzt. Was die
Brunnen anlangt, so bestanden ihre Wände entweder aus
Flußgeröllsteinen, die man ohne Mörtelverbindung aufeinander geschichtet
hatte, oder aus Ziegelsteinen, die durch Kalkmörtel verbunden
waren; sobald der Erdboden verunreinigt war, wurde bei derartig
undichter Brunnenkonstruktion das Wasser natürlich völlig
unbrauchbar. Und daß Flußwasser nicht zum Trinken geeignet ist,
braucht kaum erwähnt zu werden. In Taihoku konnte man allerdings
durch Anlegung von Rohrbrunnen Grundwasser aus einer Tiefe
von 56 m gewinnen. Wenn man aber die Brunnen den Einwohnern
zum Gebrauche frei gab, wurde das Wasser alsbald ungenießbar.
Auch war die Menge des Wassers nicht ausreichend, zumal da die
Stadt im Begriffe ist, sich stark auszudehnen.
Unter diesen Umständen beschloß das Generalgouvernement,
mit der Zeit allenthalben, sowohl in den größeren Städten als auch in
den Landstädten, Zentralwasserversorgungsanlagen zu schaffen. Der
Anfang wurde 1898 mit den Anlagen in Tamsui und Kilung gemacht.
Andere Städte folgten und folgen diesem Beispiele. Jetzt besitzen
bereits die fünf Städte Taihoku, Kilung, Tamsui, Shöka und Kimpöri
Wasserleitungen, und für Takao, Kagi, Taikö, Hokuto und Shirin
sind sie gegenwärtig in Bau. Im folgenden wird eine kurze Beschreibung
von vier bereits vollendeten Wasserwerken gegeben.
A. Das Wasserwerk der Stadt Taihoku.
Die Stadt Taihoku, der Sitz des Generalgouvernements, besteht
aus drei Teilen: aus J önai, aus Manka und aus Daitotei. Sie hat zurzeit
rund 85 000 Einwohner. Durchflossen von dem schiffbaren
Tamsui und mit den wichtigsten Städten, insbesondere mit den beiden
naheliegenden Häfen Kilung und Tamsui, durch Eisenbahn verbunden,
ist sie der Mittelpunkt für den formosaischen Handel und Verkehr.