Full text : Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

I  .V  -A

wieder  Aenderungen  in  der  Gleichmäßigkeit  der  Wasserfüllung  zur
Folge,  die  besonders  in  außergewöhnlich  trockenen  Jahren  für  einzelne
Teile  der  Stromstrecke  eine  Verringerung  ihrer  Benutzbarkeit  hervorriefen. ­
  Immerhin  ist  bei  der  Billigkeit  der  Lastenbeförderung  zu
Wasser  die  größere  Länge  der  Verkehrslinie,  wenn  sie  nicht  allzusehr
von  der  Geraden  zwischen  zwrni  Punkten  abweicht,  noch  das  geringste
von  allen  die  Schiffahrt  beeinträchtigenden  Hindernissen.
Viel  eingreifender  als  die  Verlängerung  einer  Wasserlinie  durch
Krümmungen  des  Stromlaufs  ist  das  Gefälle,  das  tatsächlich  eine
völlige  Behinderung  der  Benutzung  bedeuten  kann  oder,  wo  es  durch
Kunstbauten,  namentlich  durch  Schleusen,  doch  überwunden  wird,  zu
einer  äußerst  fühlbaren  Verteuerung  und  besonders  Verzögerung  des
Verkehrs  führen  muß.
Diese  den  Verkehr  verzögernde  Wirkung  des  Gefälles  äußert  sich
je  nach  der  Lage  der  Gebirge  zu  den  Wasserläufen  in  verschiedenen
Ländern  trotz  annähernd  gleichen  Mittelhöhen  sehr  verschieden.  So
leiden  namentlich  die  französischen  Wasserwege  sehr  viel  mehr  als
die  deutschen  unter  dieser  Ungunst  des  orographischen  Baues,  wie
die  folgende  Ausführung  zeigt.
Beispiel:  Untersucht  man  z.  B.  einen  der  wichtigsten  Kanäle  Frankreichs,
den  480  km  langen  Canal  de  l’Est,  auf  die  im  Gefälle  beruhenden  Hindernisse,  so
erkennt  man  deutlich  den  hemmenden  Einfluß  des  Geländes.  Denn  diese  Schiffahrtlinie, ­
  die  die  belgischen  Kohlenfelder  mit  einigen  industriereichen  mittleren  Departements ­
  des  östlichen  Frankreich  verbindet,  überschreitet  nach  Keller  bei  einem
nur  97,6  m  hohen  nördlichen  Ausgangspunkte  eine  Höhe  von  246,3  m,  steigt  dann
bis  zur  Mosel  bei  Toul  auf  207  m  herab,  um  dann  abermals  eine  Wasserscheide  in
Höhe  von  361  m  zu  übersteigen,  bis  sie  bei  Port-sur-Saöne  die  Saone  in  der  gleichen
Höhe  erreicht  wie  die  Mosel  bei  Toul.  Allein  um  die  zuletzt  angegebene  Scheitelhöhe ­
  zu  überschreiten,  sind  48  Schleusen  auf  dem  der  Mosel  zugewandten  Gehänge
zu  durchfahren,  während  ihre  Zahl  auf  der  zur  Saone  absinkenden  Seite  nicht  weniger
als  50  beträgt.  Man  kann  sich  vorstellen,  welche  Verlangsamung  und  Verteuerung
des  Verkehrs  auf  dieser  verhältnismäßig  kurzen  Teilstrecke  so  durch  den  orographischen ­
  Bau  der  vom  Kanal  durchzogenen  Landschaft  verursacht  wird.
Wie  günstig  dagegen  der  Bau  eines  Landes  mit  weit  in  das
Innere  greifenden  Anstiegen  massigen  Grades  auch  in  der  Nähe  gebirgiger ­
  Landschaften  auf  den  Wasserverkehr  wirkt,  zeigt  das  Deutsche
Reich.  Zum  Vergleich  mag  bemerkt  werden,  daß  das  Gefälle  der
Oder  im  norddeutschen  Flachlande  von  der  Einmündung  der  Warthe
bis  Hohensaathen  oberhalb  Schwedt  nur  1:5100  beträgt.  Welchen
Vorzug  des  Baues  auf  den  Stromverkehr  erfreut  sich  dagegen  selbst
ein  Hochlandstrom  wie  die  Donau  hinsichtlich  des  Gefälles  und  in
noch  höherem  Grade  der  Rhein,  der  zwar  von  Straßburg  bis  Maxau
noch  im  Verhältnis  von  1:2100,  von  Maxau  bis  Mannheim  aber  nur
noch  in  demjenigen  von  1:4800,  also  mit  einem  echten  Flachlandgefälle ­
  absinkt  und  unterhalb  des  großen  süddeutschen  Hafens  bis
etwa  zum  Eintritt  in  das  Schiefergebirge  nur  noch  ein  solches  von
1:10000  besitzt.
Beispiel:  Wie  stark  das  Gefälle  fördernd,  bezw.  verzögernd  wirkt  und  wie
damit  der  Personenverkehr  zu  Wasser  nie  mit  dem  der  Eisenbahn  in  Wettbewerb
zu  treten  vermag,  wo  es  sich  nicht  um  besondere  Einflüsse,  wie  etwa  die  landschaftlichen ­
  Schönheiten  einer  Flußstrecke,  handelt,  erkennt  man  sehr  gut  an  der  auf  dem
Rhein  innegehaltenen  Geschwindigkeit  der  Fahrzeuge.  So  legen  auf  der  Strecke  von
Straßburg  bis  Maxau  von  Menschen  oder  Pferden  gezogene  Schiffe  stromab  in  der
Stunde  8—9  km  zurück,  stromauf  aber  nur  1,8  km.  Auch  die  Dampfer  empfinden
das  sehr  entschieden,  denn  auf  der  kurzen  Strecke  von  Worms  nach  Mainz  dauert
die  Fahrt  eines  Personendampfers  nnr  3  Stunden,  in  umgekehrter  Richtung  dagegen
4  Stunden.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.