Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

in  England  überstürzten,  rief  oft  Arbeiterunruhen  hervor.  Daher  wird
Say  auch  nicht  müde,  ihre  Wohltaten  aufzuzählen.  Anfangs  gab  er  noch
zu,  daß  die  Regierung,  um  vorübergehende  Nachteile  abzuschwächen
„den  Gebrauch  einer  neuen  Maschine  fürs  erste  auf  gewisse  Bezirke
wo  Arbeiter  spärlich  und  von  anderen  Zweigen  der  Industrie  begehrt
sind,  beschränken  solle“ 1 ).  Seit  der  fünften  Ausgabe  aber  ändert  er  seine
Meinung  und  findet,  daß  eine  solche  Beschränkung  „eine  Verletzung
der  Eigentumsrechte  des  Erfinders“ 2 )  sein  würde,  und  läßt  nur  öffentliche
Notstandsarbeiten  zur  Beschäftigung  der  durch  die  Maschinen  ihrer
Arbeitsgelegenheit  beraubten  Leute  zu.
Dem  Einflüsse  der  gleichen  Umstände  kann  man  die  überwiegende
Bedeutung  beimessen,  die  J.-B.  Say  einer  Klasse  von  Personen  zuschreibt, ­
  die  Smith  nicht  näher  definiert  hatte,  die  aber  von  jetzt  an
nicht  mehr  aus  der  Theorie  der  Wirtschaft  verschwinden  sollte:  die  der
Unternehmer.  War  am  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  der  hauptsächlichste
Träger  des  Fortschrittes  nicht  der  fleißige,  eifrige,  unterrichtete  Mann,
der  Industrielle,  der  kluge  Ingenieur,  der  mit  seiner  Zeit  fortschreitende
Landwirt,  der  kühne  Geschäftsmann,  dessen  Typus  sich  in  allen  Ländern
gleichzeitig  mit  den  wissenschaftlichen  Entdeckungen  und  der  Ausdehnung ­
  der  Absatzgebiete  vervielfachte?  Er,  viel  mehr  als  der  Kapitalist
im  engeren  Sinne,  der  Großgrundbesitzer  oder  der  „fast  stets  passive“
Arbeiter,  leitete  die  Produktion  und  beherrschte  die  Verteilung  der  Güter.
„Das,  was  den  bemerkenswertesten  Einfluß  auf  die  Verteilung  der  Güter
ausübt,“  sagt  Say,  „ist  die  Tüchtigkeit  des  industriellen  Unternehmers.
Im  gleichen  Industriezweig  sammelt  der  eine  Unternehmer,  der  Urteils'
kraft,  Tatkraft,  Ordnungsliebe  und  Kenntnisse  hat,  ein  Vermögen,  während
ein  anderer,  der  diese  Eigenschaften  nicht  besitzt  oder  allzu  schwierige
Umstände  antrifft,  zugrunde  geht“ 3 ).  Spricht  nicht  hier  ebenfalls  der
Spinnereibesitzer  von  Auchy-les-Hedins  ?  Man  kann  sich  leicht  davon
überzeugen,  wenn  man  die  beiden  Ausgaben  seines  Buches,  die  von  1803
und  die  von  1814,  vergleicht.  Man  sieht  da,  wie  von  einer  zur  anderen
das  Verständnis  dieses  Problems  sich  klärt  und  befestigt.
Diesem  sehr  richtigen  Gefühle  verdanken  wir  die  von  Say  ausgeführte ­
  Auffassung  des  Mechanismus  der  Güterverteilung,  die  in  ihrer
klassisch  gewordenen  Form  der  Smith’s  und  der  der  Physiokraten  weit
überlegen  ist.  Der  Unternehmer  wird  der  Mittelpunkt  der  ganzen  Verteilung. ­
  Man  kann  diesen  Gedanken  wie  folgt  zusammenfassen:
Der  Mensch,  das  Kapital  und  der  Boden  liefern  das,  was  Say  produktive ­
  Dienste  (services  productifs)  nennt.  Diese  auf  den  Markt

*)  TraitG,  1.  Ausg.,  I,  S.  48.
a )  TraitS,  5.  Ausg.,  I,  S.  67.
3 )  Kritische  Untersuchung  der  Ausführungen  Mac  Cullooh’s  (1825),  (Euvre
diverses,  S.  274—275.
            
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