Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Assozialisten.

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Da  aber  Owen  einsah,  daß  weder  sein  Beispiel,  noch  auch  sein  industrieller ­
  Erfolg  die  Arbeitgeber  zu  seinen  Ideen  bekehren  konnten,
versuchte  er,  die  Regierungen  dafür  zu  gewinnen,  zuerst  die  seines  eigenen
Landes,  dann  aber  auch  die  fremden  Herrscher,  und  so  durch  Gesetze
dieselben  Reformen  zu  erbitten,  die  er  lieber  von  dem  guten  Willen  der
herrschenden  Klassen  allein  erlangt  hätte.
Schon  vor  Lord  Shaftesbtjry  eröffnete  er  den  Feldzug  für  die
Beschränkung  der  Kinderarbeit  in  den  Fabriken  und  trug  viel  zu  dem
Gesetz  von  1819  bei,  das  das  Minimalalter  der  arbeitenden  Kinder  auf
9  Jahre  festsetzte.  Er  hatte  sogar  verlangt,  es  auf  10  Jahre  zu  erhöhen.
Auch  hier  abgewiesen,  verzweifelt  er  an  der  Kraft  der  beiden  Mächte,
der  Arbeitgeber  und  des  Staates,  dem  gesellschaftlichen  hortschritt  zu
dienen,  und  wendet  sich  an  die  dritte  Macht:  die  Genossenschaft.  Sie
sollte  das  neue  Milieu  schaffen,  ohne  das  die  soziale  Frage  unmöglich
gelöst  werden  kann.

§  1.  Die  Schaffung  des  sozialen  Milieus.
Denn  das  ist  die  Grundidee  Owen’s,  die  ihn  in  allen  seinen  verschiedenen ­
  sozialen  Versuchen  geleitet  hat,  die  Schaffung  eines
sozialen  Milieus:  dies  und  stets  nur  dies  erhoffte  er  zunächst
v on  den  Arbeitgebern,  dann  vom  Staate  und  zum  Schluß  von  der
Kooperation.
Man  kann  sagen,  daß  hierin  Owen  der  Vater  dessen  war,  was  die
Soziologen  heute  mit  dem  Wort  Ätiologie  bezeichnen,  nämlich  die
Änpassung  und  Unterordnung  des  Menschen  an  seine  Umgebung.  Seine
Theorie  ist  in  der  wirtschaftlichen  Lehre  ungefähr  das,  was  die  Lamarck  s
in  der  Biologie  ist:  den  Glauben  an  die  Umformung  des  Organismus
durch  den  Einfluß  der  Umwelt  auf  die  Organe.  Von  Natur  ist  der
Mensch  weder  gut  noch  böse,  er  ist  das,  wozu  ihn  seine  Umwelt  gemac  t
hat.  Wenn  heute  der  Mensch  böse  ist,  so  beruht  das  darauf,  daß  die  wirtschaftliche ­
  und  soziale  Ordnung  verabscheuungswürdig  ist.  Man  mu
a ber  darauf  hinweisen,  daß  Owen  der  natürlichen  Umwelt  keine  Bedeutung ­
  irgendwelcher  Art  beigelegt  zu  haben  scheint,  die  doch  für  andere
Schulen,  wie  die  Le  Play’s,  eine  wesentliche  Bedingung  darstellt.  Er
dlese  viel  komplizierteren  und  feineren  Maschinen  an  Kraft  und  Wirksamkeit  gewinnen
^erüen,  und  daß  ihre  Verwendung  wirtschaftlicher  sein  wird,  wenn  man  sie  reinlich
Lr't,  sie  mit  Freundlichkeit  behandelt,  wenn  man  ihrer  geistigen  'latigkeit  unnötige
Reibungen  erspart,  und  wenn  man  ihnen  eine  ausreichende  Menge  Nahrungsmittel
, nd  Unterhaltsmittel  liefert,  um  ihren  Körper  in  gutem,  produktionsfahigen  Zustand
2U  erhalten  und  zu  verhindern,  daß  er  vorzeitig  verfalle  und  zum  alten  Eisen  geworfen
werden  muß?“
6 ‘do  und  Rist,  Geseh.  d.  Volkswirtschaft!.  Lehrmeinungen.  2.  Aufl.  17
            
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