Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Vorbemerkung  zur  dritten  Auflage.
Diese  dritte  Auflage  weicht  nur  in  geringem  Maße  von  der  zweiten,
1913  erschienenen,  ab,  abgesehen  von  stilistischen  Änderungen,  die  in
einigen  Abschnitten  recht  zahlreich  sind.  Freilich  haben  die  großen
Geschehnisse,  die  diese  sechs  Jahre  gebracht  haben,  auch  auf  die  volkswirtschaftlichen ­
  Lehren  Rückwirkungen  gehabt,  an  denen  wir  nicht
vorübergehen  durften.  Die  verschiedenartigsten  Theorien  über  die  wirtschaftlichen ­
  Ursachen  des  Krieges  sind  neu  entstanden;  die  alten  nominalistischen
  Vorstellungen  über  das  Geldwesen  haben  ihre  Wiederauferstehung
gefeiert;  die  wirtschaftlichen  Aufgaben  des  Staates  sind  dort  übersteigert,
hier  neuer  Kritik  unterzogen  worden;  die  ausschweifendste  Übertreibung
des  wirtschaftlichen  Nationalismus  sahen  wir  auftreten.  Wäre  es  unsere
Aufgabe  gewesen,  all  dieses  Hin  und  Her  von  Gedanken  aufzuzeichnen,
die  unter  dem  unmittelbaren  Einfluß  außergewöhnlicher  Bedingungen
und  in  der  allgemeinen  Umwälzung  der  Vorstellungen  ihren  Ursprung
hatten  ?  Das  hätte  geheißen,  dieses  Buch  mit  reinen  Gegenwartsinteressen
zu  belasten  —  und  das  hätte  seinen  Charakter  verändert,  denn  es  soll  ein
Geschichtswerk  bleiben.  Wir  haben  uns  daher  darauf  beschränkt,  die
wichtigsten  jener  Rückwirkungen  in  Anmerkungen  zu  verzeichnen,  und
haben  darüber  hinaus  dem  letzten  Abschnitt  eine  Studie  über  die  fortan
der  Geschichte  angehörige  Form  des  Sozialismus,  den  russischen  Bolschewismus, ­
  eingefügt.  Auch  noch  andere  geistige  Strömungen,  die  den  Krieg
überdauern  werden,  hätten  Anspruch  auf  Berücksichtigung  erheben  können,
aber  es  wird  besser  sein,  die  Aussiebung  abzuwarten,  die  die  Zeit  selbst
vornehmen  wird.
Wir  werden  den  Lesern  dankbar  sein,  wenn  sie,  wie  in  früherer  Zeit,
uns  dadurch  fördern,  daß  sie  uns  auf  Irrtiimer,  Ungenauigkeit  und  Lücken
hinweisen,  die  sie  der  Richtigstellung  oder  Ausfüllung  für  wert  erachten.

Charles  Gide.  Charles  Rist.
            
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