Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch,  Die  Begründer.

Dagegen  scheint  er  ihnen  ihre  so  bedeutsame  Idee  von  der  Verteilung  j
des  Jahreseinkommens  zwischen  den  verschiedenen  Klassen  des  Volkes  ;
entlehnt  zu  haben.  Seine  Vorlesungen  in  Glasgow  behandeln  vor-  j
herrschend  die  Frage  der  Gütererzeugung.  In  dem  Wealth  of  Kations
ist  der  Verteilung  ein  beträchtlicher  Raum  eingeräumt.  Dieser  Unterschied ­
  läßt  sich  kaum  anders  erklären,  als  durch  die  genaue  Bekanntschaft,  j
die  Smith  in  der  Zwischenzeit  mit  dem  Tableau  economique  und  der  |
Theorie  des  Reinertrages  gemacht  hat.
Wenn  er  ihnen  aber  einejhrer  charakteristischen  und  folgereichsteß
Ideen  entlehnt  hat,  so  überragt  er  sie  weit  in  seiner  Gesamtanschauung  j
und  aus  eben  diesem  Grunde  hat  er  sie  so  schnell  verdrängt.  Da  die  Physiokraten
  von  ihrer  Auffassung  der  Rolle  der  Landwirtschaft  vollständig  j
beherrscht  wurden,  trübte  und  verengte  sich  ihr  Gesichtskreis.  Sie  haben,  I
wenn  man  so  sagen  darf,  durch  ein  zu  enges  Fenster  gesehen.  A.  SmitB
hat  sich  von  Anfang  an  in  das  Zentrum  der  Erscheinungen  gestellt,
auf  den  höchsten  Punkt,  von  wo  die  Aussicht  am  weitesten  und
klarsten  ist.
Die  ökonomische  Welt,  im  Bilde  einer  großen,  von  der  Arbeitsteilung
geschaffenen  Werkstatt;  —  die  Reichtumserscheinungen,  auf  eine  höher 6
Einheit  zurückgeführt,  durch  die  Betonung  eines  wesentlich  psycho-  j
logischen  Beweggrundes:  des  Wunsches  der  Menschen  nämlich,  ihre  wirtschaftliche ­
  Lage  zu  verbessern;  —  endlich  die  Wirtschaftspolitik  zuiö
ersten  Male  nicht  auf  das  Interesse  dieser  oder  jener  Klasse  (des  Fabrikanten ­
  oder  des  Landwirts),  sondern  auf  die  Berücksichtigung  des  allg 6 '
meinsten  Interesses  des  ganzen  Gemeinwesens  gegründet:  dies  sind  d' e
Hauptgesichtspunkte,  die  das  ganze  Werk  beherrschen.
Diese  Gesichtspunkte  dienen  von  nun  an  als  Leitfaden  durch  di«
Wirrnisse  der  volkswirtschaftlichen  Erscheinungen.  Instinktiv  fühlten
die  Zeitgenossen,  daß  die  neue  Wissenschaft  auf  diesem  Wege  keine  Gefall
lief,  in  einer  Sackgasse  zu  endigen.  Zum  ersten  Male  bot  man  ihnen  eine 11
festen  Stützpunkt,  von  dem  aus  die  verwickelten  Interessen  der  Land'
Wirtschaft,  der  Industrie  und  des  Handels  ohne  Vorurteil  betracht^
werden  konnten.  Mit  Smith  verließ  man  die  „Systeme“  und  betrat  de”
Boden  der  „Wissenschaft“.  —
Um  diese  drei  Punkte  werden  wir  unsere  Betrachtung  seiner  Ide
gruppieren,  um  sie,  wie  folgt,  zu  untersuchen:
1.  Die  Arbeitsteilung;
2.  Die  spontane  Organisation  der  ökonomischen  Welt  unter  de® 1
Einfluß  des  persönlichen  Nutzens;
3.  Die  liberale  Politik.
            
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