Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Adam  Smith.

67

er  besonderen  Wert  auf  die  Notwendigkeit,  den  Elementarunterricht
(der  in  Lesen,  Schreiben  und  Rechnen  besteht) 1 )  dem  Volke  durch  die
Errichtung  von  teilweise  auf  Staatskosten  unterhaltenen  Elementarschulen ­
  zu  erleichtern  und  „sogar  aufzuzwingen“.  Man  bemerke  hier
diesen  Verstoß  gegen  sein  eigenes  Prinzip  der  Nichteinmischung  des
Staates!  Wir  werden  weiterhin  sehen,  daß  er  nicht  der  einzige  geblieben  ist.
Um  seine  Ausführungen  betreffs  der  Arbeitsteilung  zu  vervollständigen, ­
  bezeichnet  Smith  endlich  die  Grenzen,  an  denen  sie  Halt  machen
muß.  Er  erwähnt  zwei:  Erstens  die  Ausdehnung  des  Marktes:  „Wenn
der  Markt  sehr  beschränkt  ist,  so  kann  niemand  sich  ermutigt  finden,  sich
einer  einzigen  Beschäftigung  ganz  hinzugeben,  weil  es  an  der  Möglichkeit
fehlt,  jenen  ganzen  Produktenüberschuß  seiner  Arbeit,  der  weit  über
seinen  eigenen  Verbrauch  hinausgeht,  für  solche  Produkte  der  Arbeit
Anderer,  die  er  gerade  braucht,  auszutauschen“ 2 ).  Deshalb  begünstigt
der  Handel  mit  den  Kolonien  und  mit  dem  Auslande,  der  den  Markt  der
Nationalindustrie  vergrößert,  die  Arbeitsteilung  und  vermehrt  den  Reichtum. ­
  —  Der  andere  Umstand,  der  nach  Smith  die  Arbeitsteilung  begrenzt,
ist  die  vorherige  Kapitalansammlung 8 ).  Diese  Bemerkung  ist  aber  viel
weniger  genau  als  die  vorhergehende.  Smith  scheint  hier  von  einer  einzelnen ­
  Unternehmung  auf  die  Gesamtheit  der  Gesellschaft  geschlossen
zu  haben.  Wenn  es  wahr  ist,  daß  ein  Fabrikant  in  seiner  Fabrik  die  technische ­
  Arbeitsteilung  um  so  höher  vervollkommnen  kann,  je  größer  seine
Ka pitalkraft  ist,  so  ist  es  umgekehrt  klar,  daß  in  der  Gesamtheit  der
Gesellschaft  gerade  die  Arbeitsteilung  jeder  einzelnen  Person  eine  vorhergehende ­
  Ansammlung  von  Kapitalien  erspart,  die  sie  haben  müßte,  um,
w enn  sie  allein  lebte,  die  gleiche  Arbeit  auszuführen 4 ).
Dies  ist  in  ihren  Hauptzügen  die  Theorie  der  Arbeitsteilung  von
A.  Smith,  eine  Theorie,  die  heute  jedem  so  bekannt  ist,  daß  wir  oft  Mühe
haben,  ihre  Bedeutung  und  Originalität  zu  erfassen,  obgleich  sie  von
gewissen  Soziologen  (Dürkheim)  zu  dem  Rang  einer  Grundlage  der  Moral

')  „Mit  ci.™  sehr  goingen  A»i».nde
großen  Volksklasse  die  Erlernung  dieser  wesen  •  ^  unerlä ßi; c hen  Bedingung
leichtern,  kann  sie  dazu  ermuntern  und  kann  sie  ihrg  K  j  Tei]  3_  5  2.
machen“  (Lesen,  Schreiben  und  Rechnen),  11,  b.  tu,  o.  ,  r
2 )  I,  S.  10,  B.  I,  Kap.  III  „ + „,<n>mäß  der  Arbeitsteilung  vorhergehen
3 )  „Wie  die  Aufhäufung  des  Vorrates  naturg  ^  uml  mehr  gete ilt  werden,  als
muß,  so  kann  auch  die  Arbeit  nur  in  e  g  Einl.).  An  einer  anderen
vorher  Vorrat  aufgesammelt  worden  ist  (I,  b.  ,  _■  ^  in  cjner  Industrie  zur
Stelle  bemerkt  er  allerdings,  daß  die  M ^ e  d *.  Arbe it  abhängt,  welche  darin
SfTe  H ng f  gela ," g n  Ä  B  I  Kap  X  Teil  2),  aber  diese  Bemerkung  bleibt  ver-4
 )  Vgl.  die  eingehende  Kritik  dieses  Gedankens  Smiths  von  Cannan,  op.  et.
S  Rn  00
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.