Full text : Die Frau und die Arbeit

144

zynischen  Witzen  der  vornehmen  Klubs,  wie  aus  den
Träumen  der  Poeten  und  dem  edelsten,  Mann  und  Frau
fürs  Leben  aneinander  bindenden  Gattenverhältnis.  Noch
immer  spielt  es  auf  Erden  dieselbe  große  Rolle  wie  zur
Zeit,  da  die  Ungeheuer  der  Vorzeit  durch  Siluriens  Moore
jagten,  noch  immer  bildet  es  am  Webstuhl  des  Lebens  die
Kette  des  Gewebes  und  läuft  wie  ein  endloser  Faden  durch
jede  Zeichnung  und  jedes  Muster  der  einzelnen  menschlichen ­
  Existenzen.  So  erscheint  es  nicht  nur  unausrottbar,
sondern  es  ist  unbegreiflich,  wie  jemand  annehmen  kann,
daß  diese  Anziehung  von  Geschlecht  zu  Geschlecht,  die  mit
Hunger  und  Durst  als  dreieiniger  Instinkt  die  Basis  des
tierischen  Lebens  auf  Erden  bildet,  jemals  durch  eine  verhältnismäßig ­
  so  geringe  Veränderung  getilgt  werden
könnte,  wie  es  die  Verrichtung  dieser  oder  jener  Arbeit
oder  ein  etwas  größeres  oder  geringeres  Wissen  in  einer
oder  der  andern  Richtung  ist.
Daß  die  Frau,  weil  sie  an  einem  dampf  getriebenen  Webstuhl ­
  Dutzende  von  Ellen  Leinen  im  Tage  erzeugt,  weniger
die  Gefährtin  des  zu  ihr  passenden  Mannes  sein  sollte,  als
da  sie  an  ihrem  Spinnrad  mit  Hand  und  Fuß  eine  Elle  fertig ­
  brachte;  daß  der  Mann  weniger  die  Gemeinschaft  mit
der  Frau  wünschen  sollte,  weil  sie  in  ihrem  Konsultationszimmer ­
  Kinder  nach  pharmakologischen  Vorschriften  behandelt, ­
  als  wenn  sie  in  alter  Zeit  Arzneikräuter  auf  den
Hügeln  sammelte;  daß  die  Frau,  die  ein  modernes  Bild
malt  oder  eine  moderne  Vase  zeichnet,  dem  Manne  weniger
liebenswert  erscheinen  sollte  als  ihre  Vorfahrin,  die  den
ersten  Topf  formte  und  mit  einem  Zickzack  verzierte,  dem
Manne  ihrer  Zeit  erschien;  daß  die  Frau,  die  zu  dem  Unterhalt ­
  ihrer  Familie  beiträgt,  indem  sie  Rechtsbeistand  leistet, ­
  sich  weniger  nach  Mutterschaft  und  Ehe  sehnen  sollte
als  diejenige,  die  in  der  Vergangenheit  zu  dem  Unterhalt
der  Familie  beitrug,  indem  sie  über  dem  Mahlstein  hockte
oder  Fußböden  rieb,  und  daß  die  eine  weniger  vom  Manne
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.