Full text : Die Frau und die Arbeit

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Italien  oder  Spanien,  mehr  in  den  großen  Städten,  als  am
flachen  Land,  mehr  unter  den  wohlhabenden  Klassen,  als
unter  den  Besitzlosen  und  ist  ein  untrügliches  Zeichen  dieser ­
  fortschreitenden  modernen  Zivilisation.*
Aber  nicht  nur  und  nicht  hauptsächlich  auf  dem  Gebiet
der  Hausarbeit  haben  die  Veränderungen  die  Frauen  berührt ­
  und  ihr  altes  Arbeitsfeld  eingeschränkt.  Es  gab  eine
Zeit,  da  die  Frau  ihre  Kinder  unter  den  Augen  behielt,
bis  sie  erwachsen  waren.  Ihrer  Erziehung,  ihrem  Einfluß
dankten  sie  ihr  Wesen.  Von  dem  ersten  Augenblick,  da
das  Kind  an  ihrer  Brust  lag,  bis  die  Tochter  das  Haus
*  Es  ist  tatsächlich  manchmal  etwas  Rührendes  in  der  Haltung  manches
alten  Mütterchens,  das  da  oder  dort,  inmitten  der  modernen  Zivilisation
lebend,  ganz  verwirrt  wird  durch  den  Wandel  in  den  Pflichten  und  Aufgaben ­
  der  Frau.  In  den  Augen  einer  Altersgenossin,  die  gleich  ihr
eine  vergangene  Kulturepoche  überlebt  hat,  sucht  sie  die  Bestätigung
ihrer  Lebensanschauung.  Ein  beunruhigender  Zweifel  hat  sogar  ihre
Seele  beschlichen.  „Ich,“  sagt  sie,  „habe  immer  selbst  die  Schinken  geräuchert ­
  und  die  Socken  gestrickt  und  die  Wäsche  in  der  Hand  genäht;
wie  wir  junge  Mädchen  waren,  haben  wir  das  alles  gemacht;  aber  meine
Töchter  wollen  es  nicht  mehr  tun!“  Und  die  andere  antwortet:  „Ja  freilich, ­
  wir  haben  das  alles  gemacht  und  so  gehört  sich’s  auch;  aber  es
kommt  so  hoch,  und  die  fertigen  Dinge  sind  so  viel  billiger.“  Und  die  Alten
schütteln  die  Köpfe,  und  die  Welt  scheint  ihnen  seltsam  aus  den  Angeln,
wenn  Pflicht  nicht  mehr  Pflicht  ist.  Solche  Frauen  sind  wie  eine  gute
alte  Entenmutter,  die  ihre  Entlein  durch  Jahre  immer  in  denselben  Teich
geführt  hat  und,  wenn  nun  dieser  Teich  abgeleitet  und  der  eingetrocknete
Schlick  zurückgeblieben  ist,  dennoch  darauf  besteht,  ihre  Jungen  dorthin
zu  bringen  und  nun  flügelschlagend  und  ängstlich  schnatternd  an  seinem
Rand  hin  und  her  watschelt  und  sie  zu  bewegen  sucht,  hineinzugehen.
Aber  die  Entlein  mit  ihrem  jungen  frischen  Instinkt  hören  in  der  Ferne
das  köstliche  Rieseln  des  neuen  Wehrs,  in  dem  hoch  oben  das  Wasser
aufgefangen  worden  ist,  und  sie  riechen  die  Vogelmiere  und  das  hohe
Gras,  das  an  seinem  Rande  wächst,  und  wollen  nichts  davon  wissen,
sich  an  dem  vertrockneten  Schlamm  zu  ergötzen  oder  Würmer  zu  suchen,
wo  keine  sind.  Und  sie  lassen  ihre  alte  Mutter  an  ihrem  Teich  quaken
und  machen  sich  auf,  neue  Futterplätze  zu  suchen  —  vielleicht  verirren
sie  sich?  —  vielleicht  finden  sie  welche?  Der  alten  Mutter  aber  möchte
man  sagen:  „Gute,  alte  Entenmutter,  siehst  du  nicht,  daß  die  Welt  sich
verändert  hat?  Du  kannst  das  Wasser  nicht  in  den  alten  Teich  zurückbringen! ­
  Vielleicht  war  es  besser  und  schöner  wie  es  da  war;  aber  es  ist
weg  auf  immer,  und  wenn  du  und  die  Deinen  noch  schwimmen  wollen,
muß  es  in  anderem  Wasser  sein.  Neue  Zeit  bringt  neue  Pflichten.“
            
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