Object: Finanzwissenschaft

H. Das Steuerwesen der Staatenverbände. 
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auch ihren eigentümlichen finanziellen Charakter, welcher in vieler 
Beziehung von dem der einzelnen Staaten verschieden ist. Wie im 
allgemeinen in der Finanzwissenschaft ist hier nicht so sehr die 
Ausgabenfrage, als das Problem der Einnahmen von Wichtigkeit. 
So entsteht das, was Stein Bundesfinanzwesen und Bundesfinanz 
wissenschaft nennt. 
Die Einnahmequellen der Staatenverbindungen lassen sich vor 
allem nach dem Gesichtspunkte unterscheiden, daß sie teils ur 
sprüngliche, selbständige, teils abgeleitete unselbständige, direkte 
oder indirekte Quellen sind. Die Staatenverbindungen verfügen 
entweder über eigene, besondere Einnahmen oder sie gewinnen ihre 
Einnahmen aus den Beiträgen der einzelnen Staaten, die die Staaten 
verbindung bilden. Die selbständigen Einnahmen können von der 
selben Natur sein wie die Staatseinnahmen überhaupt, sie stammen 
also aus Vermögen, Kredit, direkten und indirekten Steuern usw. 
Theorie und Praxis weisen darauf hin, daß Staatenverbindungen, 
sofern sie aus selbständigen Quellen schöpfen wollen, hierzu nament 
lich die Zölle, die inneren Verbrauchsabgaben, gewisse Verkehrs 
steuern, Gebühren, viel. seltener direkte Steuern benutzen können. 
Die Wahl unter diesen Einnahmequellen wird, von anderen Um 
ständen abgesehen, namentlich von der Intensität, der größeren oder 
geringeren Festigkeit und Innigkeit der betreffenden Staatenver 
bindung abhängen. In einzelnen Fällen werden auch finanztechnische 
Momente Einfluß haben. So werden Zölle als Einnahmequellen 
namentlich dort am Platze sein, wo die Staatenverbindung über ein 
großes Territorium sich erstreckt, da auf engerem Gebiete diese 
Einnahmequelle ohne größere Störung und Belästigung des Verkehrs 
nicht durchführbar ist. Sofern aber die Staatenverbindung über 
selbständige Einnahmequellen nicht verfügt oder aber diese unge 
nügend sind, werden zur Deckung der Bedürfnisse des Staaten- 
Staates die von den einzelnen Staaten aus ihrem Einkommen zu 
diesem Zwecke zurückgestellten Beiträge dienen, die in Deutschland 
Matrikularbeiträge genannt werden, in anderen Staaten, so Öster 
reich und Ungarn, Quoten usw. Die selbständige Dotation der 
Staatenverbindungen mit besonderen Einnahmequellen findet neuer 
dings auch darin seine Begründung, daß gewisse Einnahmequellen 
durch den größeren Staat besser verwertet werden können. So 
sehen wir dies in Deutschland, in der Schweiz usw., wo die be 
treffenden Einnahmequellen auch deshalb oder bloß deshalb durch 
*) Die Bezeichnung Matrikularbeiträge hängt mit dem Umstande zusammen, 
daß dieselben nach der Größe der Bevölkerungsziffer für die einzelnen Staaten 
berechnet werden. 
Feldes, Finanzwissenschaft. 
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