Inflation und Geldvermehrung.
erwerben). In allen diesen Fällen streben aber die Noten — soweit
sie nicht zur Verstärkung der Kassenbestände infolge der hohen
Preise und des Barzahlungsverkehrs gebraucht werden — nach ihrer
Ausgangsstelle zurück, weil sie dem Empfänger keine Zinsen brin
gen. Nur in dem einen Fall, daß die Noten vom Empfänger ein
gesperrt, thesauriert werden, können sie noch die zusätzliche ge
schaffene Kaufkraft oder die erhöhte Kaufkraft der betreffenden
Einzelwirtschaft verkörpern, stehen sie noch im unmittelbaren Zu
sammenhang mit der Inflation, mit der Aufblähung der Kauf
kraft der Einzelwirtschaft, freilich nun derart; daß die eingesperrte
Kaufkraft im Augenblick vom Gütermarkt ferngehalten wird.
Hierauf ist zurückzukommen. In allen übrigen Fällen werden die
Noten, die für das Reich bzw. die Reichsbank ein Finanzierungs
mittel sind oder waren, in den Händen der Zahlungsempfänger
ihrer eigentlichen Zweckbestimmung zugeführt: sie werden hier
zum gewöhnlichen Zahlungsmittel, dessen Bedarf sich nach den
Gepflogenheiten und Einrichtungen des Zahlungsverkehrs richtet.
Sie schlagen sich zu Depositen nieder, wenn sie als Kapitaleinzah
lung bei den Banken verwendet oder in den bargeldlosen Zahlungs
verkehr überführt werden.
So war der hohe Umlauf an Papiergeld in Deutschland (am
23. September 1918 Noten: 14,4 Milliarden Mark und Darlehns
kassenscheine: 8,5 Milliarden Mark, zusammen rund 23 Milliarden
Mark) — wenn man von den geringen Mengen der damals erst
im Inland thesaurierten Noten absieht — nicht Gegenstand, erst
recht nicht Ursache der Inflation. Der Notenumlauf war nicht
künstlich aufgebläht, nicht künstlich vermehrt worden, wie viel
fach angenommen und ausgesprochen wird. Die Inflation kam
unmittelbar selbst nicht einmal in dem gestiegenen Notenumlauf
zum Ausdruck, wie auch behauptet wird. Die Menge der in Um
lauf befindlichen Noten und Darlehnskassenscheine wurde — bis
zur politischen Umwälzung — lediglich oder zum mindesten in der
Hauptsache durch die Verkehrserfordernisse bestimmt. Zum Teil
W ar das Papiergeld an die Stelle des aus dem Verkehr gezogenen
Goldes (etwa 2,5 Milliarden Mark) und des überflüssig gewordenen
Wechsels (durchschnittlicher Friedensumlauf etwa 6—7 Milliarden
Mark) getreten. Dazu kam das vergrößerte Zahlungsgebiet, der
nicht unerhebliche Abfluß von Noten ins Ausland (an Stelle der
fehlenden ausländischen Zahlungsmittel) und endlich die Steige-
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