fullscreen : Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russisch-Polen und dem Deutschen Reiche und die sich daraus für den Friedensschluss ergebenden Folgerungen

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Kalkindustrie.  Die  Kalkindustrie  ist  in  Russisch-Polen  ansäßig
  in  der  Hauptsache  in  den  Bezirken  Czenstochau,  Kielce,
Opoczno  und  in  der  Warschauer  Gegend.  Ihre  Konkurrenz  ist
der  deutschen  Kalkindustrie  bisher  kaum  fühlbar  geworden.
Branntweinbrennereien.  Die  Branntweinbrennereien  Polens ­
  stellten  im  Jahre  1912/13  35,19  Millionen  Galonen  Branntwein ­
  her  (eine  Galone  —  3,794  Liter).
Zuckerfabriken.  An  Zuckerfabriken  zählte  Polen  im  J^re
1905/06  49  Unternehmungen,  die  11  912  172  dz  Rüben  verarbeiteten. ­
  Im  Jahre  1913  wurden  53  Zuckerfabriken  gezählt.
Die  Zuckerindustrie  ist  hauptsächlich  ansässig  in  den  Gouvernements ­
  Warschau  und  Lublin.
Sonstige  Industrien  sind  insbesondere  in  Warschau  ansäßig.
Zu  erwähnen  sind  die  Unternehmungen  der  Galanterie-Lederwarenbranche,
  Holzwarenerzeugung,  Herren-  und  Damen-Konfektion,
  Krawatten-  und  Wäschefabrikation,  ferner  Gerbereien  und
Bierbrauereien.  Alle  diese  Industriezweige  gehören  mit  verhältnismäßig ­
  wenigen  Ausnahmen  der  Kleinindustrie  an-  Ihre  Produktion ­
  hat  den  Wert  mehrerer  Millionen  Rubel.
Handel.  Im  polnischen  Außenhandel  spielen  die  Deutschen
und  die  Juden  als  Kapitalisten  die  Hauptrolle.  Der  Viehhandel
und  das  Getreidegeschäft  ist  fast  ausschließlich  in  jüdischen  Händen,
ebenso'  das  Fell-  und  Holzgeschäft.
In  der  Textilbranche  herrschen  dagegen  die  deutschen  Unternehmer ­
  vor.  Die  Eisen-  und  Kohlenindustrie  wird,  wie  erwähnt,
zum  Teil  mit  stanzösischem  und  zum  Teil  mit  deutschem  Kapital
betrieben.  In  der  Warschauer  Eisen-  und  Maschinenindustrie
herrscht  das  polnische  Element.
Der  Kleinhandel  ruht  fast  ausschließlich  in  jüdischen  Händen.
Verkehrswesen.  Den  Handelsverkehr  zwischen  Deutschland
und  Polen  vermittelte  in  der  Hauptsache  die  Eisenbahn.  Das
Eisenbahnwesen  Polens  steht  auf  einer  geringen  Stufe  der  Entwicklung, ­
  da  die  russische  Regierung  aus  strategischen  Gründen
den  Bau  von  Bahnen  links  der  Weichsel  nicht  begünstigte  oder
nur  strategische  Bahnen  baute  ohne  Berücksichtigung  der  Bedürfnisse ­
  des  Landes.  Links  der  Weichsel  hat  Polen  nur  eine  Bahnlinie, ­
  die  Warschau—Wiener  Bahn,  welcher  sich  von  Thorn  aus
kommend  bei  Skierniewice  eine  zweite  Hauptlinie  anschließt.
Sonst  bestehen  links  der  Weichsel  nur  die  Nebenbahnen  Kalisch—
Lodz—Lowicz  und  Lodz—Tomaszow—Ossowiec  sowie  die  sogenannte ­
  Weichselbahn  Sosnowiece—Jwangorod.  Die  Warschau—
Wienerbahn  ist  normalspurig,  während  die  Weichselbahn  die  breite
russische  Spur  besitzt.  Beide  Bahnen  befanden  sich  im  Eigentum
des  russischen  Staates.
            
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