Shop“ ein „Non-union-Shop“, d.h. auf die Nichtvertragsbetriebe
üben die Gewerkschaften überhaupt keinen Einfluss aus. Die
Belegschaften der einzelnen Betriebe sind in der Regel entweder
vollständig oder gar nicht organisiert. Die teilweise Organisierung
ist meist nur ein Provisorium, das nicht von langer Dauer sein kann.
Entweder gelingt es, in kurzer Zeit die Gewerkschaftsbedingungen
einzuführen, einschliesslich der Organisationspflicht für alle Be-
schäftigten, oder die bereits Organisierten geben ihre Mitglied-
schaft als zwecklos wieder auf. In der Zugehörigkeit zur Gewerk-
schaft sieht der amerikanische Arbeiter eine Angelegenheit, die
sich auch in einem unmittelbaren und erkennbaren materiellen
Nutzen für ihn auswirken muss. Der idealistische Schwung, der
aus Anteilnahme am Schicksal der ganzen Arbeiterklasse den An-
schluss an die Gewerkschaftsorganisation auch dann gebietet, wenn
ein direkter persönlicher Vorteil zunächst nicht dabei herausspringt,
ist in der amerikanischen Arbeiterschaft zum mindesten schwächer
entwickelt als etwa unter den deutschen Arbeitern. Nur wenn man
in einem Union-Shop arbeitet, rentieren sich die Gewerkschafts-
beiträge.
Die Sicherheit der Beschäftigung für die Mitglieder hängt ab von
dem Verhältnis der Mitgliederzahl zu der Zahl der Arbeitsplätze,
die der Kontrolle der Gewerkschaft unterliegen. Ist die Zahl der
Arbeitsplätze an einem Ort und für einen bestimmten Beruf eine
feststehende, so bedeutet ein Anwachsen der Mitgliederzahl über
diese Zahl hinaus eine Gefährdung der Existenzsicherheit für die
Mitglieder. Tatsächlich hat diese Überlegung vielfach dazu geführt,
dass die Lokalunionen nicht nur keinen Wert auf die Vermehrung
der Mitglieder legten, sondern im Gegenteil gegen weiteren Zu-
wachs sich absperrten. Harte Bedingungen wurden den Kandidaten,
die sich zum Eintritt meldeten, auferlegt, z. B. ein hohes Eintritts-
geld und die Ablegung einer scharfen Prüfung über die beruflichen
Fähigkeiten. Man ging sogar soweit, die Mitgliederliste auf be-
stimmte oder unbestimmte Zeit ganz zu schliessen. Manche Lokal-
unionen bedienen sich in diesem Zusammenhang auch noch des
„Permitt“-Systems. Sie nehmen auch dann neue Mitglieder nicht
auf, wenn alle Mitglieder Beschäftigung haben und trotzdem noch
Arbeitsplätze frei sind. Sie geben dann an Nichtmitglieder Permitts,
das heisst Arbeitserlaubniskarten, gegen eine fortlaufende Gebühr
aus. Der Sinn dieser Methode ist leicht zu begreifen: verringert
sich die Beschäftigungsmöglichkeit im Beruf, dann zieht die Orga-
nisation zuerst die Permitts wieder ein und sichert die verbleibenden
Arbeitsplätze für die Mitglieder. Für die Nichtmitglieder ist das
natürlich eine grosse Härte. Sie müssen an die Union Beiträge
entrichten, die oft höher sind als die der Mitglieder, haben aber
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