Object : Der Weltverkehr und seine Mittel

292  Eisenbahn-Signalwesen:  Stellwerke.
zeigt  die  Einrichtung  für  Doppeldrahtzug.  Da  bei  jeder  Hebelbewegung  (von  oben  nach
unten  und  umgekehrt)  ein  Zug  auf  die  Weichenzungen  oder  den  Signalflügel  ausgeübt
werden  muß  —  die  Stellung  mit  einer  Drahtleitung  ist  ihrer  geringen  Zuverlässigkeit
wegen  seit  Jahren  verlassen  —  so  sind  zwei  Leitungen  aus  5  mm  dickem,  verzinktem  Stahldraht ­
  vorhanden.  Sie  sind  der  größeren  Biegsamkeit  wegen  an  den  Rollen  durch  Drahtseile ­
  ersetzt,  deren  freies  Ende  am  Umfang  der  Stellrollen  befestigt  ist.  Der  Hebel  nach
Abb.  300  ist  mit  letzteren  durch  eine  Federkuppelung  verbunden.  Diese  überträgt  beim
Umlegen  des  Hebels  die  Stellkraft  auf  die  Drahtleitungen  und  damit  auf  die  Weichenoder ­
  Signal-Stellvorrichtung.  Wird  die  Weiche  „aufgeschnitten"  (S.  305),  so  löst  sich
die  Kuppelung  und  die  Seilrollen  verdrehen  sich  gegen  den  seststebenden  Hebel.  Dem
Stellwerkswärter  wird  dieser  Vorgang  durch  Verdrehen ­
  einer  farbigen  Scheibe  oder  dergleichen  sichtbar ­
  gemacht.
Eine  Zerstörung  des  Hebels  kann  durch  das  Ausschneiden ­
  nicht  erfolgen,  es  zerreißt  nur  ein  Bleisiegel
(p  in  Abb.  300),  an  welchem  der  Aufsicht  führende
Beamte  etwaige  Aufschncidungen  nachträglich  noch
erkennt,  falls  der  Stellwärter  solche  nicht  gemeldet
hat.  Der  Hebel  der  aufgeschnittenen  Weiche  läßt
sich  mittels  eines  Stellschlüssels  leicht  wieder  in  Ordnung ­
  bringen.
Jeder  Stellwerkhebel  kann  zweierlei  Stellungen
einnehmen,  entsprechend  der  zweifachen  Lage  der
Weichenzungen  und  der  Signalflügel  (vergl.  Lage  A
u.  B  in  Abb.  300).  Die  Hebel  sind  nebeneinander
in  einer  Reihe  angeordnet,  bei  ganz  großen  Stellwerken ­
  auch  wohl  in  zwei  Reihen,  und  sind  auf  beiden
Seiten  durch  Nummern  und  Buchstaben  derart  bezeichnet, ­
  daß  die  Anschriften  in  beiden  Endstellungen
der  Hebel  deutlich  lesbar  sind.  Signal-  und  Weichenhebel ­
  sind  je  für  sich  gruppenweise  zusammengefaßt.
Sie  sind  klar  voneinander  unterschieden,  sei  es  durch
Anschriften,  Form  oder  grellen  Farbenanstrich.  Jeder
Signalhebel  trägt  gewöhnlich  auch  die  Nummern
aller  derjenigen  Weichenhebel,  die  von  ihm  in  ihrer
Bewegung  abhängig  sind,  die,  wie  weiter  unten  er
örtert,  alle  zuvor  gezogen  werden  müssen,  ehe  durch
ihn  der  Flügel  auf  „Fahrt"  gestellt  werden  kann.
Dieselben  Zeichen  gibt  auch  ein  im  Weichentnrm
aufgehängter  Gleisplau  der  Station  wieder,  in
welchem  die  Weichen  und  Signale  in  gleicher  Weise
fortlaufend  numeriert  sind.  Nach  der  für  jede  Station  bestehenden  Fahrordnung  sind  den  ankommenden ­
  und  abgehenden  Zügen  die  zu  benutzenden  Gleise  genau  vorgeschrieben;  es  sind
dieses  die  sogenannten  Hauptgleise.  Für  das  Zusammensetzen  und  Ausstellen  der  Züge,
für  die  Rangierbewegungeu,  die  Überführungen  der  Wagen  nach  und  von  dem  Güterschuppen ­
  u.  s.  w.  dienen  besondere  Nebengleise,  deren  Benutzung  ebenfalls  in  der  Fahrordnung ­
  festgesetzt  ist.  Haupt-  und  Nebengleise  stehen  durch  Weichen  miteinander  in  Verbindung ­
  (vergl.  Abb.  307).  Um  nun  einen  Zug  sicher  durch  seine  ihm  vorgeschriebene
Gleisstraße  zu  leiten,  kommt  es  nicht  nur  darauf  au,  daß  für  ihn  die  Ein-  und  Durchfahrtsweichen ­
  richtig  stehen,  sondern  daß  auch  alle  „feindlichen"  Weichen,  d.  h.  solche,  die  aus  einem
Nachbargleise  Fahrzeuge  nach  der  genannten  Fahrstraße  durchlassen  können,  von  dieser  letzteren
abweisend  gestellt  sind.  Auch  etwaige  Sicherheitsweichen  (Abb.  149)  müssen  ablveisende
Stellung  zeigen.  Keinerlei  Fahrzeuge  können  alsdann  dem  Zuggleis  Gefahr  bringen.
Wie  oben  erwähnt,  werden  Ein-  und  Ausfahrtsgleise  durch  Mastensignale  gesichert.
Damit  nun  Irrtümer  ausgeschlossen  werden,  muß  das  Stellwerk  folgende  fünf  Be-299.

  Englischer  SteUwrrkhelirl
mit  Ncrschlutzvorrichtnng.
            
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