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Deutschland bei den jetzigen Tarifverhältnissen
mit der Union derselben zuviel gewährt.«
Eine in der Wollindustrie mit führende Handelskammer,
So rau, erklärt u. a.: »Wir müssen in
erster Linie empfehlen, mit aller Energie dem
rücksichtslosen Auftreten derUnion unseren neuen
autonomen Tarif' entgegenzuhalten und die
bislang in praxi gewährte Meistbegünstigung
unter allen Umständen völlig auszuschließen.«
Was nun die Zollermäßigungen anlangt, die
erwirkt werden müßten, um der deutschen Tuchindustrie
wieder den amerikanischen Markt zu
öffnen, so ist bei einer Herabsetzung der amerikanischen
Zölle um 20% (Sekt IV des Dingleytarifes)
kaum eine nennenswerte Belebung unseres Geschäftes
nach drüben zu erwarten. Die billigeren
und z. T. auch die mittleren Qualitäten würden
damit doch nicht exportfähig werden. Die Konkurrenz
gegen die feineren amerikanischen Fabrikate
aber könnte deutscherseits noch länger aufrechterhalten
werden, während sie bei den geltenden Zollsätzen
alsbald völlig erlahmen wird. Eine Zollbelastung
von durchschnittlich 90% vom Werte kann
eben die Ausfuhr auch von feinen Wollfabrikaten
nach der Union auf die Dauer nicht ertragen.
Wollhüte tragen jetzt in der Union einen
(prohibitiven) Wertzoll von 55%. Hier würde eine
Zollreduktion um 20% eine starke Belebung der
Ausfuhr bewirken.
Was dann Seidengewebe und Seidensammet
anlangt, vertreten durch die Krefelder
und Langenberger Industrie, so tritt auch diese
vielfach dafür ein, daß man einen Wandel in der
Ausmessung unserer Konzessionen an die Union
eintreten lassen, »nicht mehr ein Huhn für ein Ei
geben« solle; das jetzige Verhältnis sei »ganz und
gar nicht« angemessen; »so lange wir Deutsche
soviel Geduld haben, kann uns die [Neuregelung
unserer Handelsbeziehungen zur Union] doch nichts
nützen«. »Keinesfalls mehr bewilligen wie Frankreich!
Ein Tarifvertrag auf eine lange Dauer
ohne Ermäßigung der jetzigen amerikanischen
Zölle um 30 oder 35% würde ein Unglück für
die deutsche Industrie sein«.
Die Ausfuhr namentlich von Seidensammet
wird sehr pessimistisch beurteilt. »Auf unseren
Geweben lasten 50 bis 60% Zoll; das tötet auf
die Dauer jeden Versuch, mit der einheimischen
Industrie zu konkurrieren.«
In Produkten der mechanischen Seidenwebereien
würde durch eine Zollreduktion um
20 °/ 0 »die Exportfähigkeit unsererer Fabrikate
zweifellos um ein Bedeutendes gewinnen. Namentlich
würde dies bei solchen Artikeln der Fall sein,
bei welchen die Arbeitslöhne einen verhältnis-