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gleichen sozialen Klasse nichts sozial Entehrendes an sich trägt,
erhält leicht den Stempel der Käuflichkeit, wenn er unter den Mit
gliedern verschiedener sozialer Klassen gepflogen wird. Mit tiefem
Verständnis für die eigenartige soziale Welt des platten Landes
hebt eine Bemerkung in dem Sammelwerk über „die geschlechtlich-
sittlichen Verhältnisse der evangelischen Landbewohner im Deutschen
Reiche" die sozialen Umwälzungen hervor, die sich in dem Leben der
in neue städtische Unterordnungsverhältnisse tretenden Landmädchen
vollziehen. „Besonders," so heißt es dort, „in der Fremde, wenn sie
dem Einfluß des Elternhauses und der Heimat entrückt sind, auch
wenn sie keinen heiratslustigen und heiratsfähigen Schatz finden,
fallen die Mädchen der gewissenlosen Verführung und dem Miß
brauch der Autorität zum Opfer und geben sich einem Gcschlechts-
genuß hin, der die Aussicht auf Heirat nicht bietet."
Selbst in den Zentren der kapitalistischen Großindustrie, die den
ausgeprägten Charakter von Nurfabrikstädten haben, und in denen
das Proletariat fast ausschließlich mit seinesgleichen verkehrt, hat
die Prostitution nicht so um sich gegriffen als in den großen Handels
und Fremdenbcrkehrsstättcn, wo dicht nebeneinander die Ange
hörigen der verschiedensten sozialen Klassen gelagert sind und not
gedrungen in engster Verbindung miteinander stehen.
Die Umfrage der „Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der
Geschlechtskrankheiten" an die deutschen Stadt- und Polizei
verwaltungen über die Wohnungsverhältnisse der Prostituierten
ergab, daß die Prostitution nur spärlich und vereinzelt in den
Fabrikstädten Wurzel gefaßt hat. Von Oberhausen bemerkte zum
Beispiel in dieser Umfrage die dortige Polizeiverwaltung, daß seit
Jahren keine weiblichen Personen unter Sittenkontrolle gestanden
hätten. In Duisburg ist die Zahl der dort wohnenden Prosti
tuierten nach einer Mitteilung des Duisburger Oberbürgermeisters
nur eine geringe, „so daß eine Notwendigkeit zur Anweisung be
sonderer Häuser bezw. Straßen für die Dirnen nicht hervorgetreten
sei". In Remscheid ist nach einer Mitteilung der Polizeiverwaltung
„eine Durchseuchung der Bevölkerung mit Prostitution nicht zu
konstatieren." „. . . Die Prostitution ist hier für eine Fabrikstadt
sogar auffallend gering. Es findet dies seinen Grund in der Nähe
der rheinischen Großstädte, in her ländlichen Bebauung und in der
meist geübten Sitte, bei Folgen außerehelichen Verkehrs die Bei
schläferin zu heiraten." Die Prostitution ist gering, eben weil
Remscheid eine ausgesprochene Fabrikstadt, in der die Arbeiter mit
ihren Klassengenossinnen verkehren und sie bei etwaigen Folgen des
außerehelichen Beischlafes heiraten. In Spandau, einer Fabrik-
stadt, klagt der Berichterstatter Kreisarzt Dr. Jaenicke in der „Denk
schrift der Frauenvereine über das Bordellwesen Deutschlands", sei
„die Unsittlichkeit und Verführung sehr groß". („Fabriken mit
zahlreichen Arbeitern und Arbeiterinnen"). Trotz dieser „großen
Unsittlichkcit" ist die Zahl der sexuellen Erkrankungen nach der