fullscreen: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

164 UV. Über Theorien der wirtjchaftlichen Entwicklung der Völker, 
setzen wir uns denn mit den genannten Theorien der wirtschaft- 
lichen Entwicklung unmittelbar auseinander.!) 
Gegen alle Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der 
Völker läßt sich gleichmäßig der Einwand erheben, den Hilde- 
brand gegen List geltend macht?): sie sind aus der Geschichte 
nur eines oder einiger weniger Völker oder gar einzelnen Teilen 
ihrer. Geschichte abstrahiert?). Die Unterlage für Schmollers 
und vom 6. Dezember 1899 (Nr. 279) auf alte Kritiken älterer biolo- 
gischer Theorien hingewiesen und sie den modernen Soziologen zur 
Beherzigung empfohlen. Zu W. Freytag, „Rankes Gesschichtsauf- 
fassung und eine zweckmäßige Definition der Geschichte“ in Natorp's 
Archiv für systematische Philosophie 6, 129 ff. u. 311 ff. s. H. Z. 86, 
S. 156. Vgl. auch Vierkandt, Führende Individuen bei den Natur- 
völkern, Ztschr. f. Sozialw. 1908. 
1) Sombart steht in der Frage der Auffindung historischer Gesete 
wesentlich auf unserm Standpunkt. Archiv für soziale Gesebgebung 
a. a. O. S. 359: „Es ist falsch, ein allgemein gültiges Entwicklungs- 
geseß aufzustellen, wonach der Prozeß der Vergesellschaftung indivi- 
dualer Betriebe sich. stets in der Weise vollzöge, daß er das Stadium 
der Manufaktur durchliefe und im Zustande der Fabrik endige." 
Vgl. S. 389 Anm. 1. S. 13 Anm. 1: „Will man ein einheitliches 
Entwicklungsprinzip wirklich gültig für alle verschiedenen Wirtschafts- 
stufen formulieren, so kommt. es über eine gemeinplätige Fassung 
nicht hinaus; will mandiese verm eiden und das „Gesetz“ konziser prägen, 
so muß man notwendig der Geschichte Gewalt antun, indem man 
ihre Varietäten ignoriert." Sombart spricht hier dieselben Gedanken 
aus, denen ich in meinem Aufsatze „Die neue historische Methode“ 
z. Z. 81, 230 ff. Ausdruck gegeben habe. S. ferner Sombart S. 332 
Anm. 1 (gegen den von der materialistischen Geschichtsauffassung 
angenommenen Zusammenhang zwischen „Technik“, „Wirtschafts- 
ordnung“ und „Gesellschaftsordnung“'), S. 388 Anm. 1 (gegen die 
Willkürlichkeiten Morgans) und S. 398. 
2) Dieser Einwand findet sich übrigens schon in Hildebrands 
„Nationalökonomie der Gegenwart und Zukunft“" 1 (1848), 72. Hilde- 
brand weist zugleich darauf hin, daß Lists Lehre einem praktischen 
htte dient. Auch diese Bemerkung ist nicht bloß in Bezug auf List 
3) In dieser Hinsicht macht Sombart S. 366 die Bemerkung, daß 
die ganze Theorie von Marx auf den Produktionszweig der Baum- 
wollspinnerei zugeschnitten ist.
	        
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