Full text: Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

R. Mueüer und E. Mittermüller, Lebensversicherung. 67 
daß sie vorzugsweise der Konsumtion anheimsallen. Die Fälle, in denen 
Policendarlehnsbeträge zur Stärkung werbenden Kapitals verwendet 
werden, bleiben weit in der Minderzahl, schon aus dem Grunde, weil 
dafür nur Versicherungen von solcher Höhe des Rückkansswertes in Be 
tracht kommen, daß mit der Beleihung ein nennenswerter Betrag flüssig 
wird. Das trifft aber bei der überwiegenden Mehrheit der für die Be 
leihung fast einzig in Frage kommenden großen Todesfallversicherungen 
nicht zu. Die bei der Gothaer Lebensversicherungsbank a. G. im Jahre 1911 
entnommenen Darlehen auf Versicherungsscheine betrugen durchschnittlich 
1120 Mk.; es ist jedoch zu beachten, daß der Durchschnitt der bei der ge 
nannten Bank versicherten Beträge weit über den allgemeinen deutschen 
Durchschnitt hinausgeht, und daß die Bank über einen verhältnismäßig 
lehr alten Versicherungsbestand verfügt, zwei Umstände, die bei ihr auf eine 
Erhöhung des Durchschnittsbetrags der Policendarlehen wirken, die aber 
bei den meisten anderen deutschen Lebensversicheriingsunternehmungen 
nicht vorliegen. Der Durchschnitt aller seitens deutscher Lebensversiche 
rungsanstalten gewährten Darlehen auf Versicherungsscheine dürste daher 
unter 1000 Mk. zurückbleiben. 
Grundbesitz. 
Der Grundbesitz der Gesellschaften besteht, abgesehen vom vorüber 
gehenden Besitz im Zwangsversteigerungsverfahren erworbener Grund- 
ltücke, in Hausgrundstücken, die zum Betrieb des eigenen Geschäfts be- 
llimmt sind. Es kommen hier vor allem die am Sitz der Unternehmungen 
destndlichen Verwaltungsgebäude in Betracht; viele Anstalten besitzen 
Mch an anderen größeren Plätzen eigene Häuser zur Aufnahme ihrer 
dortigen Vertretungen. 
Bedeutung der Lebensversicherung für den 
Kapitalmarkt. 
Es sind, wie die vorstehenden Ausführungen erkennen lassen, be 
deutende Summen, mit denen die Lebensversicherung am deutschen 
Kapitalmarkt beteiligt ist. Zwar sind die Beträge, die auf Wertpapiere, 
Wechsel und Bankguthaben entfallen, verhältnismäßig so gering, daß 
dadurch die Wertpapierkurse, Zinsfuß und Bankdiskont nicht beeinflußt 
werden können. Die Höhe der Wertpapier- und Wechselbestände ist aus 
Tabelle 23 ersichtlich; die Bankguthaben betrugen Ende der Jahre 
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