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für Töchter wohlhabender Familien, denn die Unterrichtssprache
ist hier nicht die deutsche, sondern — die französische!
4) Die deutschen Schulen in Australien.
Einen reindeutschen Charakter haben sich unter den deutsch-
australischen Schulen nur noch diejenigen bewahren können,
welche von protestantischen, meist strenglutherischen Gemeinden
errichtet und aus eigenen Mitteln erhalten wurden.
Deutsche Schulen mit deutscher Lehrsprache giebt es in
größerer Zahl heute eigentlich nur noch in Südaustralien,
wo sich das Deutschthum bekanntlich kräftig erhalten hat. Deutsche
evangelische Gcmeindeschulen sind außer in der Hauptstadt
Adelaide in Hahndorf, Grünthal, Lobethal, Blumberg, Lang
meil, Klemzig, Sedan, Bismarck und in vielen anderen Orten
Südaustraliens vorhanden. Die deutschen Katholiken haben in
Südaustralien ein von deutschen Jesuiten vortrefflich geleitetes
höheres Schulinstitut gegründet; sie besitzen gleich den Luthera
nern eine Anzahl aus eigenen Mitteln der Gemeinden gegrün
deter und unterhaltener Schulen, ohne daß aber nach unserem
Gewährsmann das Deutschthum in ihnen eine kräftige Stütze
fände, da die deutschen Katholiken vereinzelt zwischen englisch-
sprechenden wohnen. Auch von den Lutheranern ist unlängst
eine höhere Schule, eine „Luther-Stiftung", gegründet worden,
die sich in der günstigsten Weise zu entwickeln verspricht.
In Victoria sind es hauptsächlich die lutherischen Kirchen,
in denen deutscher Unterricht ertheilt wird; es bestehen dort jetzt
18 Sonntagsschulen mit 38 Lehrern und 37 Lehrerinnen, welche
388 Knaben und 422 Mädchen unterrichteten. Die Zahl der
deutschen Protestanten giebt der letzte Zensus als 11,149 an;
sie besaßen 45 Gotteshäuser mit 4800 Sitzen, die im Jahres-