Full text : Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

92  I.  Geschäftliche  Versicherung.

welcher  Beziehung  hier  auf  die  oben  gemachten  Angaben  verwiesen
werden  kann.
Der  Übersichtlichkeit  wegen  lassen  wir  die  Kapitalanlagen  in  der
Reihenfolge  ihrer  Bedeutung  folgen.  (S.  Tabelle  auf  Seite  93.)
Der  Bestand  an  Hypotheken  hat  also  abgesehen  von  einer  geringen
Schwankung  zugenommen,  während  die  Anlage  in  Wertpapieren  ständig
abgenommen  hat  und  zwar  im  Verhältnis  zu  den  gesamten  Kapitalanlagen
  um  mehr  als  1 U  des  Anteils  vom  Jahre  1900.  Hypotheken
und  Wertpapiere  zusammen  machen  im  Jahre  1902  80,8  °/o,  im  Jahre
1909  76,4  °/o  der  Kapitalanlagen  aus,  weisen  also  eine  verhältnismäßig
geringfügige  Abnähme  auf.  Der  Rest  verteilt  sich  auf  Grundbesitz,  Guthaben ­
  bei  Bankhäusern  und  Versicherungsunternehmungen,  Wechsel  und
sonstige  Anlagen.  Die  Art  dieser  Verteilung  blieb  im  großen  ganzen
unverändert,  besonders  läßt  sich  keine  einheitliche  Tendenz  feststellen,  so  daß
die  geringen  Schwankungen  wohl  mehr  oder  weniger  auf  Zufälligkeiten
zurückgeführt  werden  können.  Die  charakteristische  Erscheinung  ist  die
Verschiebung  des  Verhältnisses  zwischen  Hypotheken  und  Wertpapieren;
während  der  Bestand  an  Wertpapieren  dem  an  Hypotheken  im  Jahre  1902
noch  gleich  stand,  betrug  er  1909  nur  noch  etwa  2 /s  davon.  Noch  deutlicher ­
  wird  diese  Entwicklung,  wenn  wir  den  Zugang  beobachten:  die
Hypotheken  vermehrten  sich  von  1902—1909  um  70  V2  Millionen  Mark,
die  Wertpapiere  nur  um  12  Va  Millionen  Mark.  In  der  Zeit  von  1905
bis  1909  war  bei  den  Hypotheken  eine  Mehrung  von  ca.  40  Millionen
Mark  zu  verzeichnen,  bei  den  Wertpapieren  eine  solche  von  etwa  einer
halben  Million  Mark.
Nähere  Angaben  über  die  örtliche  Verteilung  der  Hypotheken,  die
Ausscheidung  auf  Stadt  und  Land,  die  Verzinsung  oder  die  sonstiges
Bedingungen  vermögen  wir  leider  nicht  zu  machen,  da  hierfür  alle  Unterlagen ­
  fehlen.  Auch  über  etwaige  Verluste  aus  Hypotheken  sind  wir  nicht
unterrichtet.
Dagegen  verfügen  wir  über  eine  eingehendere  Kenntnis  bezüglich  der
Wertpapiere.  Hier  lassen  sich  besonders  die  einzelnen  Arten  der  Wertpapiere
feststellen,  was  mit  Rücksicht  auf  die  akute  Frage,  ob  ein  Zwang  zur
Anlage  in  Staatspapieren  ausgeübt  werden  soll,  von  besonderem  Interesse ­
  sein  dürfte.  Namentlich  wird  in  dieser  Beziehung  die  Verfolgung
der  Entwicklung  bedeutungsvoll  sein.  Leider  stehen  uns  hier  Angaben
erst  vom  Beginn  der  Reichsaufsicht  an  zur  Verfügung.  Um  eine  möglichst ­
  weitgehende  Beobachtung  der  Entwicklung  zu  ermöglichen,  habe  ich
daher  auch  hier  mit  dem  Jahre  1902  begonnen.  Dabei  habe  ich  die  Anleihen
            
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