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Dr. Edgar Jaffe.
geführt. Da bei dem alten Kapitalreichtum Englands Handel und Industrie
vielfach mit eigenem Qelde arbeiten, so können die Banken,
die ja außerdem auf sehr liquide Anlage angewiesen sind, die
verfügbaren Gelder meist nur zum Teil im regulären Darlehensgeschäfte
an Handel und Industrie unterbringen. Der Rest sammelt
sich in der Form des täglichen Geldes bei den Londoner Zentralen,
wo er, wie bereits geschildert, den Betriebsfond der Wechselmakler
bildet. Bei dem allgemeinen Rückgang des Wechselgeschäftes infolge
zunehmender Barzahlungssitten, sind aber die fortwährend zunehmenden
Gelder auch hier nur zum Teil unterzubringen. Die
Banken haben sich also genötigt gesehen, weitere große Absatzgebiete
zu erschließen. Sie haben ein solches auf der Londoner
Fondsbörse gefunden. Über die Verwendung, die ihre Gelder dort
finden, wird weiter unten zu reden sein.
Da die Depositenbanken ihre Hauptaufgabe in der Gewährung
kurzfristigen Kredits innerhalb von Großbritannien sehen, sind für
den auswärtigen Handel andere Institute erforderlich. Die Kreditgewährung
für den Export von Waren und den Import von Produkten
lag bis zum zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts hauptsächlich
in den Händen der Merchant Bankers. Es waren dies meist aus
dem Ausland stammende Kaufmannsfirmen, die neben ihrem Warengeschäft
ein weitverzweigtes Kreditgeschäft betrieben, indem sie
sowohl dem Exporteur Vorschüsse auf hinausgesandte Waren
machten, wie auch besonders dem überseeischen Importeur gestatteten,
als Gegenleistung für seine Produktensendungen Wechsel
auf London zu trassieren. In neuerer Zeit ist dieses reguläre überseeische
Bankgeschäft in die Hände von großen Aktiengesellschaften,
den sogenannten Colonial and Foreign Banks (Kolonial- und Überseebanken)
übergegangen, während die privaten Merchant Bankers
ihre Tätigkeit mehr dem Anleihe- und Emissionsgeschäft zuwandten,
auf das sich einige der bedeutendsten (Rothschild u. a.)
übrigens schon von jeher beschränkt hatten. Es wird bei der Schilderung
des Emissions- und Gründungswesens noch von ihnen zu
sprechen sein.
Die Colonial and Foreign Banks haben ihren Hauptsitz und ein
mehr oder minder ausgedehntes Filialsystem in den verschiedenen
englischen Kolonien, respektive in sonstigen überseeischen Ländern
und jeweils eine Niederlassung in London. Ihre Tätigkeit besteht