Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Die  Organisation  des  britischen  Weltreichs.

87

Lande  gehören,  sein  Leben,  sein  Schaffen,  sein  Hoffen  und  seine
Zukunft  gehören  dem  neuen.  Bei  aller  Treue  zum  Lande  seiner
Väter  verwächst  er  unmerklich  und  darum  um  so  fester  mit  der
selbst  gewählten  Heimat.  Er  wird  zum  Träger  einer  neuen  Nationalität. ­
  Er  betrachtet  sich  selbst  und  die  Mitbewohner  des  neuen
Landes  als  ein  Volk,  das  wohl  an  der  alten  Heimat  hängt,  das  aber
seine  ganze  Sorge  dem  neuen  Lande  zuwendet.  So  wird  es  ihm
möglich,  mit  Nachkommen  fremder  Völker  einen  gewissermaßen
kolonialen  Patriotismus  zu  empfinden  —  wie  Franzosen  und  Engländer ­
  es  in  Kanada  tun;  so  nur  ist  er  imstande,  fremdrassigen  Einwanderern ­
  Gastfreundschaft  zu  gewähren  und  sie  zur  neuen  «kolonialen ­
  Nationalität»  zu  erziehen.  Diese  koloniale  Nationalität  will
er  hegen  und  pflegen;  sie  schließt  ein  inniges  Verhältnis  mit  dem
Mutterlande  nicht  aus,  einen  Reichsverband  verschiedener,  aber
doch  geeinter  Nationen.
VI.
Was  die  Tochtervölker  heute  mit  dem  Mutterlande  vereint,  ist
einmal  die  gemeinsame  Abstammung  und  die  daraus  entspringende
Gleichartigkeit  im  Denken  und  Fühlen.  Sie  ist  nicht  bei  allen  Tochtervölkern ­
  im  gleichen  Maße  vorhanden.  Die  Bevölkerung  Australiens ­
  und  Neuseelands  ist  im  wesentlichen  britischen  Ursprungs;
77,23  o/o  der  Bevölkerung  Australiens  sind  in  Australien  meist  als  Abkömmlinge ­
  britischer  Eltern  geboren;  18,03  o/ 0  stammen  aus  dem
Vereinigten  Königreich;  nicht  5  o/ 0  sind  «Reichsfremde».  Dagegen
weisen  Kanada  und  Südafrika  eine  starke  französische  bzw.  holländische ­
  Bevölkerung  auf.  Kanada  zählt  nicht  nur  eine  geschlossene
französisch-katholische  Bevölkerung  von  1,6  Millionen,  die  in  keiner
Weise  anglisiert  ist,  es  zieht  auch  durch  seine  Einwanderung  zahlreiche ­
  fremde,  zum  Teil  amerikanische,  zum  Teil  europäische
Elemente  an.
Es  besteht  so  eine  «völkische»  Einheit  nur  in  beschränktem  Maße;
es  besteht  keine  völlige  sprachliche  Einheit;  es  besteht  überdies
keine  religiöse  Einheit.  Dagegen  herrscht  überall  ein  Verständnis
für  Selbstverwaltung  und  Demokratie  und  eine  Gleichartigkeit  der
politischen  Einrichtungen,  durch  die  eine  weitgehende  soziale  Verschiedenheit ­
  erträglich  wird.
Den  Tochtervölkern  wie  dem  Mutterlande  gemeinsam  ist  die
Person  des  Souveräns.  Das  ist  gerade  dem  stark  demokratisch  emp ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.