Full text : Kritischer Beitrag zur Theorie des internationalen Handels

— 40 —-Ricardo:
 Nach. K. tritt, wenn wir das Beispiel Ricardos
vom Austausch von Tuch und Wein in Wein und Korn verändern,
 mit Eröffnung des Handels ein Gesamtverlust an Produktion
 ein, da bei diesen beiden Bodenprodukten das Gesetz des
abnehmenden Ertrages unbestritten Geltung habe. Dies beweist
Kellenberger an einem Beispiel. Vor dem Tausch stelle Portugal
auf eigenem Boden die Größe a (x + y), England ebenfalls a (x +y)
her. Hierbei sei a = dem Gesamtertrage, x +y für Portugal
= 80 Arbeitern für Wein und 9o Arbeitern für Korn, x +y für
England = 120 Arbeitern für Wein und 100 Arbeitern für Korn.
Verwendet Portugal nach Eröffnung des Handels seine 90 .Kornarbeiter
 für den Weinbau, so erhält es nicht 2 x an Ertrag, sondern
nur 1% x, England, wenn es dasselbe mit seinen Weinarbeitern tut,
nicht 2 y, sondern 1% y, da die höchsten Kosten von x für Portugal
und von y für England verschoben werden. So werden z. B. entsprechend
 dem Gesetz des abnehmenden Bodenertrages die 90 Arbeiter,
 die Portugal zum Weinbau verwendet, nicht x/90 pro Arbeiter,
 sondern etwa x/100 oder weniger, also zusammen 90/100 X
ernten, d. i. für Portugal, wenn das Ergebnis x der ersten 80 Arbeiter
hinzuaddiert wird, 134, x. In ähnlicher Weise wird England nur
1% y ernten, so daß, während beide Länder vorher a (2x +2 y) zu
erzeugen vermochten, diese nunmehr höchstens a (13% x +1% y)
herstellen. Hatte vorher England x +y zur eigenen Konsumtion
verfügbar, ebenso wie Portugal — so verbleiben jetzt England
34 X 4+y und Portugal x + % y. Beide Länder verlieren, da die
Gesamtproduktion abgenommen hat.
Wir haben inhaltlich gegen diese Argumentation nichts einzuwenden;
 sie betont einen Fall der Veränderung der technischen
Ergiebigkeit, deren es noch mehrere gibt. Wir bringen dagegen
sämtliche Bedenken zur Sprache, die besonders eindringlich von
Schumpeter*!) geäußert sind und die sich auf die Verwendung des
Ertragsgesetzes in der Verteilungslehre überhaupt beziehen. Diese
Bedenken sind grundsätzlicher Art; sie berühren das Problem der
Einheitlichkeit der reinen Theorie und verweisen auf die Zwiespältigkeit
 einer Theorie, die an Stelle rein ökonomischer Begriffe
technische Tatsachen, die nur als außer-ökonomische Daten zu
registrieren sind, zur Preisbestimmung verwendet. Zur Vermeidung
von Wiederholungen weisen wir auch hier nur auf den von Schumpeter
 u. a. unternommenen Versuch einer Transponierung dieser
1) Vgl. Schumpeter: Das Rentenprinzip . . ., S. 156ff.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.