106% Der Kampf Afrikas um seine Befreiung.
trag, in dem es sich verpflichtete, sofort nach Wiederherstellung der Ruhe
abzuziehen. 45 Jahre sind vergangen, und Frankreich ist immer noch in un-
serem Lande. Es ist den Franzosen gelungen, in unserem vorwiegend acker-
bautreibenden Lande 700 000 Hektar fruchtbarsten Bodens in Beschlag zu
nehmen. Bei 2 800 000 Hektar bestellbaren Bodens leben 37 000 Franzosen
— mit Einschluß ihrer Familien — auf 700000 Hektar, während
2 200 000 Eingeborene sich mit 2 100 000 Hektar begnügen müssen. Dank
einer skrupellosen Diplomatie hat man diese Ländereien an sich gerissen.
Kraft besonderen Erlasses wurde die Eintragung der Ländereien verordnet,
und die Stämme, die Kollektivländereien besaßen, wurden aufgefordert, ihre
Besitztitel vorzulegen. Die einen hatten diese Rechtsbelege im Laufe ihrer
häufigen Abwanderungen bei Hungersnöten verloren; andere konnten sie zwar
vorlegen, jedoch entsprachen diese Besitztitel im Augenblick der Anwendung
nicht dem Zustande ihrer Ländereien. Die einen wie die anderen wurden von
ihren Ländereien, die Staatsdomänen wurden, vertrieben. Nach einem anderen
Erlaß sollten die Besitzurkunden einer formalen Abstempelung unterzogen
werden; für die Erfüllung dieser Formalität wurde eine Frist gesetzt. Die
Besitzer, die diese Frist verstreichen ließen, sahen sich im Besitz von Rechts-
titeln, die für nichtig erklärt wurden, und ihre Ländereien gingen an die
Staatsdomäne über.
Aus diesen Domänen sowie aus den Gütern, die jedes Jahr von der Acker-
bauverwaltung mit den Mitteln des tunesischen Budgets gekauft wurden (das
zu vier Fünfteln von Tunesiern erhoben wird), wurden Parzellen geformt, die
zur Förderung der offiziellen Kolonisation dienen sollen. Diese Parzellen
werden alle den Franzosen abgetreten, die in Tunis ihr Glück versuchen
wollen. Sie erhalten sie zu lächerlichen Preisen, die in zehn und zwanzig
Jahresraten zahlbar sind, dazu Darlehen zur Bewirtschaftung. Die französi-
schen Siedler begnügen sich im allgemeinen damit, die Güter zu sehr hohen
Preisen an Italiener zu verkaufen, und den ungeheuren Gewinn aus der
Differenz einzustecken. Während dieser Schacher in Tunis weiter geht, vege-
tieren die ursprünglichen Besitzer dieser Erde als Landarbeiter oder ver-
mehren als Nomaden die Zahl der Elenden. Unter dem Druck der lokalen
Behörden, unter der Androhung von Gefängnisstrafe werden diese ur-
sprünglichen Landbesitzer gezwungen, den Siedlern für Hungerlöhne als
Handlanger zu dienen. Man hat es noch besser ausgedacht: um diese Hand-
langer in dauernder Bereitschaft zu halten, hat man diesen Eingeborenen je
10 bis 20 Hektar unfruchtbaren Landes in nächster Nähe der Kolonisten an-
gewiesen.
Auch außerhalb der Bodenfrage sind alle Konzessionen in Tunis in fran-
zösischen Händen, und diese Konzessionen bringen reichen Ertrag. Als Bei-
spiel möchte ich die Tunesische Gesellschaft für Ackerbau und Industrie
anführen, die mit tunesischen Elementen nichts als den Namen gemeinsam
m
“|