Kollektaneen
52. Einrichtung und Ordnung der Stoffsamm.-tung.
Daniel Georg Morhof bemerkt bei der Behandlung
der verschiedenen Methoden für die Anlage von Kollektaneen
zutreffend: „Quemadmodum non eadem vestis vel domus
mensura omnibus convenit, sed secundum vitae condicionem,
fortunarum amplitudinem vel tenuitatem adornari solet, ita
excerptorum plane dispar ratio et forma est“!). Die Kollektaneen
sind ja so recht eigentlich Hauptfrucht und hinwieder
Hauptmittel der eigenen persönlichen Arbeit. Deshalb
werden auch die Wünsche, Bedürfnisse und Anlagen
der einzelnen Arbeiter ihnen stets den Stempel der eigenen
Persönlichkeit aufdrücken. Wie überall so muß besonders
bei der Einrichtung und Ordnung der Stoffsammlung
schließlich die eigene Erfahrung für jeden die beste Lehrmeisterin
sein.
Man wird aber auch aus, fremder Erfahrung lernen
können und vielleicht durch diese vor zeitraubenden Umwegen
und unnützen Irrwegen bewahrt bleiben. Wenigstens
für die Hauptlinien kann sie uns den Weg zeigen. Die
genauere Ausführung des Planes bleibt dann dem eigenen
Erproben und der eigenen Praxis überlassen.
Sie kennt vorzüglich zwei Arten von Kollektaneenanlagen,
auf die sich alle übrigen zurückführen lassen. Man
kann sie kurz als Heft- und Zettelmethode bezeichnen.
1. Die Heftmethode. Den Vorzug des höheren
Alters hat die Heftmethode. Allem Anscheine nach war
sie: bei den Gelehrten des Altertums wie des Mittelalters
und der neueren Zeit bis zum vorigen Jahrhundert fast
ausschließlich im Gebrauch oder doch bei weitem die gewöhnlichere.
Die Schreibtafeln, von denen Caius Plinius
Caecilius Secundus bei der Erwähnung der Exzerpte seines
Onkels, des älteren Plinius, redet?), dienten nur für die ersten
Aufzeichnungen während der Reise, die dann später in das
eigentliche Sammelbuch eingetragen wurden. Selch ein
großes und dickes Sammelbuch erwähnt Aulus Gellius in
') D. G. Morhof, Polyhistor litterarius 1, 562,
* C. Plinius' Caec. Sec., Epist.. 3, 5.
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