2% Die Beurteilung der Quellen
nicht selten einen Schluss zu auf gewisse Zeiten, Gegenden
und Personen, für die sie als vorzüglich passend erschei-
nen. Als Kind seiner Zeit und seines Landes wird der
Verfasser, ohne sich zu nennen, doch bewußt oder unbe-
wußt sich oft kenntlich machen und auch leicht sein Alter,
seinen Stand, seine Lebensverhälunisse verraten und so
dem geühten Auge wenigstens die Festsetzung der Grenzen
ermöglichen, innerhalb welcher die Entstehung der Schrift
anzusetzen ist.
Zuweilen genügt schon die Vergleichung des Textes einer Schrift
mit anderen bekannten Werken, um sich von ihrer Unechtheit zu über-
zeugen. So veröffentlichte zB. Kardinal Pitra in den Analecta sacra
et classica (1, 118—21) unter dem Namen eines gewissen Virgilius
das Bruchstück eines palästinensichen Itinerariums, das er dem 5. Jahr-
hunderte zuwies. Es war aber leicht nachzuweisen, daß es nur ein
Teil der Schrift des Theodosius Archidiaconus De situ Terrae Sanctae
aus dem 6. Jahrhunderte sei (ed. Gildemeister p. 15—21).
Außerdem werden sehr häufig auch besondere An-
gaben die genauere Bestimmung ermöglichen. Für die
Zeit ist die Erwähnung von geschichtlichen Ereignissen,
die sich aus anderen Quellen datieren lassen, ein wert-
voller Anhaltspunkt. Oft wird der Verfasser sich auch durch
das besondere Interesse für die Begebenheiten aus einem
bestimmten Kreise und die genaue Kenntnis der Personen
und Verhältnisse, durch Mitteilungen über ihre Absichten
und Pläne als einen Angehörigen dieses Kreises und Mit-
beteiligten an den geschilderten Ereignissen zu erkennen
geben.
Ebenso bietet die Benutzung von Schriften, deren Zeit
bekannt ist, einen sicheren Beweis für die Zeitgrenze, über
die wir die Entstehung einer Schrift nicht hinausrücken
dürfen (terminus post quem oder a quo).
Die Kritik kann dabei zu einer doppelten Schlußfolge-
rung gelangen: entweder zu der positiven, daß die fragliche
Schrift in eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Kreis
hineingehört, oder auch das Werk eines bestimmten Autors
ist; oder aber zu der negativen, daß die Schrift fälschlich
dieser oder jener Zeit, diesem oder jenem Autor zuge-
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