322 Der Titel
Eb. Nestle in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 14 (1897) 240—2;
19 (1902) 466—8; 20 (1903) 373—5; Osk. v. Gebhardt ebd. 17 (1900)
94—6.
Ein lehrreiches „Wort über Büchertitel“ schrieb auch Franz
Hülskamp im „Literarischen Handweiser“ 26 (1887) 449—54, Vgl. auch
O0. Stählin, Editionstechnik 409 f,
Zu meidende Moden in Titeln sind vorzüglich: 1. Die
allzu wortreichen Titel früherer Zeiten, die freilich noch
längst nicht völlig ausgestorben sind. 117 oder gar 175
Wörter für den Titel, wie sie beim „wahrhaften Farbenkoch
ohne Maske“ etc. (Brünn 1794) zu zählen sind, dürften
des Guten doch etwas zuviel sein.
2. Die allzu bildreichen Titel nach altem Geschmack.
Es ist noch ein Glück, wenn „die geistlich gerührte
Harpffen David’s“ im Untertitel als „das hl. Psalterbuch
eingerichtet zur Erbauung“ verdeutlicht wird, der „Mus
exenteratus“ des Frater Wilhelmus de Stuttgard sich vorstellt
als „Tractatus valde magistralis super quaestione
quadam theologicali, spinosa et multum subtili, ut intus,
scriptus pro redimenda vexa“ (Lipsiae 1677) und unter der
„Viola odorifera“ aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts
sich „Contemplationes plissimae in septenas Jesu Christi
sanguinis effusiones“ verbergen. Wer vermöchte aber zu
ahnen, daß das talmudische „Buch des Arzneihändlers“
von der Liebe Gottes handelt und unter den „Lippen des
Schlafenden“ ein Verzeichnis rabbinischer Schriftsteller
schlummert ?
3. Die absonderlichen Titel, die leicht die Grenze
der Geschmacklosigkeit streifen oder auch überschreiten.
4. Die nichtssagende und gezierte Nachahmung
alter Titel, wie wenn zB. Johannes von Müller
nach dem Muster der „Titi Livii ab urbe condita libri“
seine Weltgeschichte „24 Bücher allgemeiner Geschichten“
nannte; „der Buchbinder macht daraus,in der Abkürzung
den sinnigen Rückentitel: ‚Müller, 24 Bücher‘“.!)
5. Die einfache Wiederholung fremder Titel, vorzüglich
wenn es ich um nicht ganz gewöhnliche handelt.
1 F, Hülskamp aa0. 450,