Object : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Alt-Rigas  gewerbliches  Leben.

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In  Riga  mag  namentlich  der  letztere  Beweggrund  sich  geltend
gemacht  haben  genug,  dass  sich  Strassennamen  finden,  die  von  den
Benennungen  Gewerbetreibender  abzuleiten  sind.  Bereits  im  dreizehnten ­
  Jahrhundert  ist  eine  Schumacherstrasse  (platea  sutoruin)
und  eine  Kaufstrasse  (kopstrate,  lat.  platea  mercatoruni)  d.  h.
Kaufleutestrasse  nachweisbar  b  In  der  letzteren  erkennt  man
unschwer  die  heutige  Kaufstrasse,  und  die  erstere  wird  uns  später
auch  als  Schuhstrasse  (schustrate,  schostrate)  namhaft  gemacht.
Ausser  diesen  gab  es  noch  eine  Schmiedestrasse  (platea  fabrorum)
eine  Krämerstrasse  (platea  mstitoriim),  eine  Kuterstrasse  (Kuter  soviel ­
  wie  Wurstmacher  oder  Fleischer),  eine  Schneiderstrasse  (platea
sartoriim)  und  eine  Schererstrasse  (platea  rasorum).  Dagegen
ist  die  in  der  ersten  Hälfte  des  i6.  Jahrhunderts  auftauchende  Benennung ­
  „  Weverstrate“  *  nicht  von  den  Webern  abzuleiten,  sondern
als  eine  Verstümmelung  des  Wortes  „Beverstrate^‘  d.  h.  Biberstrasse
anzusehen.  Wenn  nicht  mehr  Strassen  als  die  wenigen  aufgeführten ­
  nach  Handwerken  benannt  erscheinen,  so  wird  das  darauf
zurückgeführt  werden  können,  dass  andere  Gewerbe  nicht  zahlreich
genug  vertreten  waren,  um  der  Strasse,  die  sie  bewohnten,  ihren
Stempel  aufzudrücken.  Die  eine  oder  andere  Bezeichnung  kann
auch  in  Vergessenheit  gerathen  sein,  wie  z.  B.  die  im  vierzehnten
Jahrhundert  vorkommende  Schneiderstrasse  *  in  späterer  Zeit  ihren
Namen  geändert  haben  muss.  Jedenfalls  ist  es  wahrscheinlich,  dass
die  in  den  Strassennamen  zum  Vorschein  kommenden  Gewerbe
die  ältesten  der  Stadt  gewesen  sind.
Die  Bezeichnung  einzelner  Thore  nach  einem  Handwerke,  wie  die
Schusterpforte  (porta  sutorum)  und  die  Kuterpforte  (porta  fartoriiiu
videlicet  kuterporten,  porta  mactatorum)  kann  daher  rühren,  dass
sie  die  gleichnamigen  Strassen  abschlossen.  Doch  will  in  Betracht
gezogen  sein,  dass  die  genannten  Gewerbetreibenden  —  in  Reval
auch  die  Badstüber  -  des  Wassers  benötigt,  in  der  Nähe  des  Wassers
bestimmte  gewerbliche  Anstalten,  wie  Gerbekammer,  Schlachthaus
tt-  s.  w.,  benutzten,  so  dass  die  Benennung  der  Pforten  davon
abgeleitet  sein  kann.  Vielleicht  wurde  endlich  maassgebend,  dass
den  genannten  Gewerbetreibenden,  die  sicherlich  viele  Anhänger
zählten,  die  Bewachung  dieser  Pforten  anvertraut  war.  Auch  eine

*  Urkundenbuch  3,  Nr.  1044  b,  §  37  u.  65.
*  Napiersky,  Rrbebücher  II,  Nr.  818.
*  Napiersky,  Rrbeb.  I,  Nr.  14.
            
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