Full text: Die deutsche Wirtschaft

22 Dr. Felix Kuh: 
Deutschen Arbeitgeberverbände hat vor einigen Jahren ein Programm 
veröffentlicht, in welchem die positiven Aufgaben bezeichnet werden, 
welche den Arbeitgeberverbänden als den berufenen Vertretern des 
Unternehmerstandes obliegen. Es ist ein großer Pflichtenkreis, der 
hier klar und deutlich umschrieben wird. Die Gewerbetreibenden 
müssen sich daran erinnern, daß tatsächlich die bisherige Entwicklung 
manches Versäumnis, manche Schuld auf sich geladen hat. Gewiß, 
eine ungeheure Arbeit ist geleistet worden, und es kann dem einzelnen 
Unternehmer nicht verdacht werden, wenn er inmitten der zermürben- 
den und aufregenden Tätigkeit des Tages keine Zeit gefunden hat, an 
die Lösung der aufsteigenden sozialen Probleme zu denken. Nun aber, 
wo wir eine gewisse Höhe erreicht haben, ist der Augenblick gekommen, 
wo es heißt, das Tempo der technischen und ökonomischen Entwicklung 
etwas zu mäßigen und dafür nachzuholen, was auf sozialem Gebiete 
vernachlässigt worden ist, Es würde zu weit führen, wollte man 
zahlenmäßig auseinandersetzen, welche Anfänge nach dieser Richtung 
hin bereits gemacht worden sind. Von den Lasten der staatlichen Ver- 
sicherung sprachen wir oben, aber daneben steht die freiwillige Wohl- 
fahrtspflege, die das gewerbliche Unternehmertum übernommen hat 
und deren Geldwert hoch in die Milliarden hineinreicht, Nicht nur 
durch die Tatsache, daß die gewerbliche Entwicklung den einzigen 
Weg geboten hat, um die schnell wachsende Bevölkerung Deutschlands 
zu ernähren, um die Auswanderung. bis auf einen kleinen Rest herab- 
zumindern, um dauernde Arbeitsgelegenheit und guten Lohn zu schaffen, 
kurzum, nicht nur durch ihre im eigentlichen Sinne des Wortes 
„arbeitgebende‘“ Funktion hat diese Entwicklung zur Hebung der 
allgemeinen Kultur beigetragen, sondern sie war von Anfang an auch 
von der Tendenz erfüllt, intensiv den Kulturgrad des Volkes zu erhöhen, 
Als ein gutes Beispiel hierfür kann die bekannte Statistik gelten, 
welche die Firma Krupp veröffentlicht hat und in der nachgewiesen 
wird, ein wie hoher Prozentsatz ihrer Arbeiterschaft den Weg nach 
oben gefunden hat. Nichts spricht deutlicher für die kulturfördernde 
Eigenschaft der gewerblichen Unternehmungen als die unzweifelhaft 
vorhandene und jedem Beobachter der sozialen Verhältnisse bekannte 
Tatsache der kulturellen Hebung des Arbeiterstandes. Zahlreiche 
Angehörige dieses Standes steigen in höhere Klassen hinauf, Wer im 
Arbeiterstand bleibt, kann sich wenigstens die Fertigkeiten aneignen, 
die es ihm möglich machen, Qualitätsarbeit zu verrichten oder besser- 
bezahlte Stellungen zu erreichen. Die Schulbildung, das Fortbildungs- 
schulwesen, die Fach- und Gewerbeschulen, neuerdings zahlreiche 
Fabrikschulen sorgen dafür, daß die allgemeine und fachmännische 
Bildung des Arbeiters dauernd zunimmt. Wenn die Volkshochschulen
	        
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